Aufsatz 
Krinagoras von Mytilene : eine Abhandlung / Eduard Geist
Entstehung
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Griechen keinen entſprechenden Laut hatten, bei Gräciſirung römiſcher Namen ſehr häufig ausgeworfen wird, ſo errnos, B/10 u. v. a. Suchen wir nun den Proculus, an welchen das Gedicht gerichtet iſt, nach ſonſt bekannten Notizen über Leute dieſes Namens näher zu beſtimmen, ſo tritt uns die Schwierigkeit entgegen, daß Proculus ein Beiname iſt, den Leute aus den verſchiedenſten Geſchlechtern und Familien führen; ſo kommt z. B. bei Tacitus eine große Menge ganz verſchiedener Männer mit dieſem Beinamen vor. Dieſer Um⸗ ſtand führt auf die Vermuthung, daß Proculus urſprünglich ein gewiſſen Söhnen verſchiedener Familien wegen irgend einer Eigen⸗ thümlichkeit beigelegtes Appellativum ſei, was Feſtus beſtätigt, bei dem es unter Proculus heißt: Proculum inter cognomina eum dicunt, qui natus est patre peregrinante a patria procul. Proculos sunt qui dicant ideo dictos, quia patribus senibus, quasi procul progressis aetate, nati sunt. Jedermann wird hier das Homeriſche zuyeros einfallen, das ebenſo abgeleitet und auf dieſelben zwei verſchiedenen Weiſen erklärt wird. Das häufige Vor⸗ kommen dieſes Namens erklärt ſich wohl daher, daß, wenn der Sohn irgend einer Familie denſelben erhalten hatte, er ihn nach römiſcher Sitte auf ſeine Nachkommen vererbte. Derſelbe Name, nur in ver⸗ längerter Form, ſcheint Proculejus zu ſein; wenigſtens heißt ein Freigelaſſener des Auguſtus, der bei Sueton. August. 67 Proculus genannt wird, bei Plin. H. N. VII, 45 Proculejus. Der Proculus, an welchen Krinagoras ſein Epigramm richtet, iſt noch ein Knabe, denn im letzten Verſe wird die Schreibekunſt als eben erſt von ihm erlernt bezeichnet. Wir haben daher nach der ſonſt bekannten Weiſe des Krinagoras an den Sohn irgend eines bedeutenden entweder zur auguſtiſchen Familie gehörigen oder derſelben doch nahe ſtehen⸗ den Mannes zu denken. Man könnte dieſen in dem bekannten C. Varro Muraena Predleics ſuchen, dem Schwager des Mäcenas, den Horaz Od. 2, 2, 5 wegen ſeiner brüderlichen Geſinnung preiſt, und der bekanntlich bei Auguſtus in hohem Anſehen ſtand. Doch möchte ich noch eher an den oben erwähnten Freigelaſſenen Proculus denken, den Sueton a. a. O. unum ex acceptissimis libertis nennt, den übrigens Auguſtus ſpäter wegen Ehebruchs mit vornehmen rö⸗ miſchen Frauen zu ſterben zwang. Das Schreiberohr, welches Krinagoras dem jungen Proculus ſendet, wird gleich zu Anfang des Gedichtes ein ſilbernes genannt; denn d9 0 muß nothwendig und ſchon der Stellung wegen mit 2³αάmν verbunden werden, und nicht, wie Reiske und Brunck wollten, miteνειιναιον mĩχᴵOe'ſm; letzterer