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ganz gewöhnlicher Gegenſtand der Pantomimen war, da hier von einer mit Geſang und Tanz(Qαmm) verbundenen Vorſtellung die Rede iſt, dergleichen im auguſtiſchen Zeitalter nur in den Pantomimen vorkommen, fo dürfen wir mit Recht annehmen, daß Krinagoras von einem Pantomimus redet. Aber, fragen wir weiter, iſt es wahr⸗ ſcheinlich, daß in den Pantomimen Weiber auftraten, iſt es nament⸗ lich wahrſcheinlich, daß die Rolle des Nauplios von einem Weibe getanzt wurde? Heindorf ſagt zu Horat. Sat. 1, 2, 2, daß wohl in den Mimen, nicht aber in den Pantomimen Weiber aufgetreten ſeien, fügt aber weiter nichts zur Begründung dieſer Anſicht bei. Die Frage, ob Weiber in den Pantomimen aufgetreten ſeien, hat Gryſar behandelt in dem Aufſatz über die Pantomimen der Römer, Rhein. Muſ. Jahrg. 1834, S. 30 ff. Ich bedaure nur, daß er dabei unſer Epigramm unberückſichtigt gelaſſen hat, während ſonſt die Stellen der Alten über den Gegenſtand ſehr fleißig benutzt ſind und namentlich ein anderes Epigramm des Krinagoras über die Pantomimen beachtet iſt. Durch ſeine Erörterung S. 62 ff. ſcheint mir mit Beſtimmtheit erwieſen zu ſein, daß im Anfang und ſelbſt bis ins vierte Jahrhundert der chriſtlichen Zeitrechnung nur Männer in den Pantomimen auf der Bühne erſchienen, und daß, wenn ſich auch einzelne, höchſt ſeltene Ausnahmen finden ſollten, der⸗ gleichen gewiß nicht in das auguſtiſche Zeitalter fallen. Lucian, der im zweiten Jahrhundert lebte, erwähnt in ſeiner ausführlichen Schrift über die Pantomimen nirgends etwas davon, daß Weiber in den⸗ ſelben öffentlich aufgetreten ſeien; die pantomimae bei Sen. Consol. ad Helv. 12 ſind, wie aus der Stelle deutlich hervorgeht, Skla⸗ vinnen, welche ſich reiche Römer zu ihrer Privatbeluſtigung hielten, und wenn nach Dio Cass. 61, 19 Nero auch Weiber und ſelbſt eine 80jährige Matrone als Taänzerinnen aufzutreten zwang, ſo war dieß eben etwas Unerhörtes und wird auch als ſolches angeführt. Aus dieſen Gründen war es mir ſchon von vorn herein höchſt wahrſcheinlich, daß die Schauſpielerin Ariſto des Krinagoras in einen Schauſpieler Ariſton zu verwandeln ſei; in dieſer Anſicht wurde ich durch zwei Umſtände beſtärkt; erſtens bemerkt Jacobs in den krit. Anm., daß in der Handſchrift oder vielmehr in der von ihm benutzten getreuen Abſchrift des Spaletti der Name Ariſto den Aecent nicht, wie es die Regel erfordert und auch die Ausgaben darbieten, auf der letzten, ſondern auf der vorletzten Sylbe habe; wenn es nun bekannt iſt, daß in den Handſchriften aller Jahr⸗ hunderte verhältnißmäßig höchſt ſelten der Accent auf eine falſche


