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An einem beſtimmten Tage wollte man beiderſeits Geſand⸗ te von Haus abſchicken; wo dieſe einander ſich treffen wuͤrden, da ſollte die gemeinſchaftliche Graͤnze ſeyn. Die Karthager waͤhlten zu dieſem Geſchaͤfte zwei Brüder, Namens Philaͤni, welche zu der geſetzten Zeit mit raſchen Schritten vorwaͤrts gingen. Nicht ſo die Abgeſandten der Cyrenenſer, welche ge⸗ gen jene ſehr weit zuruͤckblieben. Ob daran ihre Traͤgheit, oder ein zufaͤlliges Hinderniß, ſchuld war, laͤßt die Geſchichte un⸗ entſchieden; das Letztere indeſſen hat groͤßere Wahrſcheinlichkeir. Die Gegend naͤmlich, von welcher hier die Rede iſt, bildet ein ungeheures Sandmeer, wo der Wanderer, wie der Seefahrer, ſein weiceres Fortſchreiten nicht ſelten durch Stuͤrme unterbro⸗ chen ſieht. Der Wind jagt alsdenn den Sand mit ſolchem Ungeſtuͤm vom Boden auf, daß Reiſende Mund und Augen nicht dagegen zu verwahren im Stande ſind, und ohne die drohend⸗ ſte Lebensgefahr ihren Weg nicht ſortſetzen koͤnnen.
Wie dem auch ſey, die Cyrenenſer, als ſie ſahen, daß ihre Nebenbuhler ihnen den Rang abgelaufen haͤtten, und des⸗ wegen eine ſcharfe Ahndung bei ihrer Ruͤckkehr fuͤrchteten, ſuch⸗ ten allerhand Ausfluͤchte; gaben den Karthagern ſchuld, ſie ſeyen
vor der beſtimmten Zeit von Haus abgegangen,* und was der⸗
* Dieſen Vorwurf hat Valerius Maximus(am angef. 9. wiederholt, ohngeachtet er die Erzaͤhlung mit einer Reihe panegyriſcher Excla⸗ 2** ma⸗


