Aufsatz 
Einige Bemerkungen zur ältern Geschichte des Ackerbaues in Teutschland / Johann Ernst Christian Schmidt
Entstehung
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Dies wirkte nun hauptſächlich, um dem Bauernſtand mehr Achtung zu verſchaffen. Die Fuͤrſten, die jetzt der Nie⸗ derlaͤnder ſo ſehr bedurften, mußten dieſen auch mehrere Frey⸗ heiten, und billigere Bedingungen des Erbpachtes, verſprechen, um ſie anzulocken. Zugleich war dies aber auch ſehr vor⸗ theilhaft für den Anbau ſumpfiger und moraſtiger Gegenden. Die Slaven waͤhlten ſich immer nur leichte, trockne Felder, und vermieden die ſeuchten.* Die Niederlaͤnder dagegen, bekannt mit der Behandlungsart des Moorlandes, das ſie in ihrem Vaterlande bearbeiten gelernt hatten, machten nun auch die Felder, die von den Slaven waren vernachlaͤſſigt worden. urbar.**) So entwickelt ſich die Vollkommenheit aus Umſtaͤnden, die der Zufall herbey fuͤhrte, und wo kein Sterb⸗ licher den dunklen Gang der fortſchreitender Cultur zu ahnden vermochte.

Ich bemerke jetzt noch, daß der Landfrieden in der Ge⸗ ſchichte des teutſchen Ackerbaues eine neue Epoche machen muß, weil nun der friedſame Bauer geſichert wurde, daß nicht vielleicht bald eine verheerende Fehde die Fruͤchte ſeines Schwei⸗ fs vernichten, und ſeine Huͤtte in Aſche verwandeln werde.

*

Warum ich uͤbrigens in dieſer Einladungsſchrift von die⸗

ſem Gegenſtande handelte, den ich zu erſchoͤpfen ſo wenig im

Stande war, dieſes zu ſagen, glaube ich noch dem Publi⸗

rum ſchuldig ſeyn. Ich hoffte dadurch bey denen, deren 4

1 erricht

*) So behauptet Gerken in ſeinem Verſuch in der aͤlteſten Geſchichte der Slapen. S. 97..

) Siſcher am a. O. S. 411.