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ie philoſophiſchen Schriſten des Cicero gehoͤren nach 85 dem Urtheile aller Kenner unter die ſchoͤnſten Pro⸗ dukte des Geiſtes, welche aus dem claſſiſchen Zeital⸗ ter der roͤmiſchen Litteratur bis auf unſere Zeiten gekom⸗ men ſind. Nicht nur der maͤnnliche, von allem Schwulſt und fader Geſchwaͤzigkeit gleich weit entfernte Stil, in welchem ſie geſchrie⸗ ben ſind; nicht nur der Reichthum an Ideen, aus den Werken der griechiſchen Weltweiſen, welche fuͤr die Geſchichte der Philoſo⸗ phie ſo wichtig ſind: ſondern auch ſo viele eigene Unterſuchungen, voll Scharfſinn und Wahrheitsliebe, uͤber die wichtigſten Ge⸗ genſtaͤnde der menſchlichen Erkenntniß, machen das Studium dieſer Schriften 9 jeden denkenden Kopf zu einem ſehr inte⸗ reſfanten Geſchaͤft. Ein Mann, wie Cicero, der durch langen vertrauten Umgang mit den Werken der beſten griechiſchen Schriſtſteller ſeinen Geiſt gebildet, ſeinem Vortrag ſo viele Gruͤndlichkeit und uͤberzeugende Kraft, und ſeiner Sprache ei⸗ ne ſo gefaͤllige Form gegeben hatte, war vorzuͤglich dazu ge⸗ ſchikt, die griechiſche Philoſophie auf roͤmiſchen Boden zu ver⸗ pflanzen.
Einen der ſtaͤrkſten Beweiſe, mit welcher Feinheit, licht⸗ vollen Ordnung und reizenden Darſtellungsgabe er die Ideen ſeiner Vorgaͤnger zu erlaͤutern, und zu einem ſchoͤnen Ganzen zu verbinden wuſte, giebt er in dem erſten Buche ſeiner tuſcu⸗ laniſchen Unterſuchungen, welches von der Verachtung des Todes handelt. Da ich in dieſen Blaͤttern eine Stelle aus dieſem Buche mit einigen Anmerkungen begleiten will: ſo wird es nicht uͤberfluͤſſig ſeyn, wenn ich den Zwek deſſelben zuvor mit wenigen Worten angebe.
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