Aufsatz 
Von der besten Methode, die Mathematik in Schulen zu lehren / Friedrich Wilhelm Daniel Snell
Entstehung
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dieſe weiſe Einrichtung unſerer Natur die Selbſtthäͤrigkeit be⸗ foͤrdert, die doch zum wahren Menſchengluͤk ſo nothwendig iſt! Eins von den wichtigſten Stuͤkken, worauf wir bei dem Unter⸗ richt etwas erwachſener Zoͤglinge in allen Dingen Ruͤkſicht neh⸗ men muͤſſen, iſt, daß wir ſie immer mehr zum Selbſtdenken anfuͤhren. Wo faͤnde ſich aber eine tmehr Gelegenheit dazu, als bei dem mathematiſchen Unterricht? Ein nachdenkender und fuͤr das Beſte ſeiner Schuͤler beſorgter Lehrer wird zu⸗ gleich den geuͤbten und denkenden Kopf beſchäͤftigen, und doch dem weniger Scharſſinnigen nicht unverſtaͤndlich werden: wird weislich eine ſolche Mittelſtraſſe waͤhlen, wo fuͤr jede Claſſe der jungen Leute geſorgt wird. Dieſe allgemeine Regel wollen wir nun durch mehrere beſondere zu beſtimmen ſuchen.

a.) Man wende alles an, daß die Lehrſäze, und die De⸗ ſinitionen recht verſtanden werden, ehe man weiter gehet. Denn dieſe ſind die Gruͤnde worauf alles uͤbrige beruhet, und wenn man dieſe nicht recht deutlich erklaͤrt, ſo kann man hernach lange und viel beweiſen, daß der Saz ſeine Richtigkeit habe, und wird am Ende doch nicht verſtanden. Wer z. E. den Saz beweiſen will: Daß zwei Parallelogrammen von glei⸗ chen Grundlinien und 6 einander gleich ſind, muß vorher gewiß wiſſen, daß ſeine Lehrlinge den Sinn des Sazes gefaßt haben. Es fehlt ihnen ſonſt bei der Anhoͤrung des Be⸗ weiſes an zuſammenhaͤngenden Vorſtellungen, und wer nef nicht, daß ohne dieſelbe keine deutliche Einſicht moͤglich iſt. Das erſte alſo, was der Lehrer bei dem zu beweiſenden Saz zu thun hat, iſt dieſes, daß er ihn ein oder etlichemal deut⸗ lich herſagt, und auf die Haupewörter den gehoͤrigen Accent legt, um ſeine Zuhoͤrer zum Voraus auf das Hauptſäͤchlichſte darin aufmerkſam zu machen. Nun muß er die einzelen Aus⸗

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