Aufsatz 
Über den Charakter des Sosia in der Andria des Terenz / Johann Friedrich Roos
Entstehung
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21 Abſicht, daß der verwuͤnſchte Davus ietzt, da mir ſeine Schur⸗ kereyen keinen Schaden thun köonnen, alle ſeine Raͤnke auslaſ⸗ ſen ſoll. Denn ſoviel ſeh' ich ſchon zum voraus, der wird mit Haͤnden und Fuͤſſen dem Ding entgegen arbeiten, und das mehr, mir Verdruß zu machen, als meinem Sohn einen Ge⸗ fallen zu thun.

Soſia. Wie ſo?

Simo. Iſt das eine Frage? Weil der Kerl in der Wurzel nichts tauge ꝛc. ꝛc.

Man geraͤth hier in Verſuchung, mit dem Alten zu ſa⸗ gen: Iſt das eine Frage? Soſia war in ſeiner Iugend ſelbſt Sclave, und befindet ſich noch ietzt in einem Hauſe, wo er mehrere, und unter andern einen der das non plus vltra von einem verwegenen, raͤnkevollen Schalksknecht iſt, eaͤglich um ſich hat. Ihm konnte es alſo unmöͤglich unbekannt ſeyn, daß der groſe Haufe von Sclaven kein ſo zartes Gewiſſen habe, um ſich aus dergleichen Bosheiten gegen ihre Herrn nur das geringſte Bedenten zu machen. Eine Sache, die einem ieden, der in den Griechen und Roͤmern nicht ganz und gar Fremd⸗ ling iſt, ſo gelaͤufig ſeyn muß, daß der gelehrte Lindenbrog ſich wohl die Muͤhe haͤtte erſparen koͤnnen, ſie mit ſo vielen Citaten aus den Schriftſtellern beider Nationen aufzuſtutzen. Allein der wahre Grund von dieſer ſelrſamen, ganz unerwarte⸗ ten Frage liegt darinn: Soſia ſtellt ſich, als ob ein treuer Diener, wie er, von dergleichen Buͤbereyen gegen einen ſo braven Herrn, wie Simo, gar keine Idee habe; will gleichſam ſagen, was bey'm Terenz weiter unten Act. IV, 1. 1. ſeqq. bey einer andern Gelegenheit vorkommt:

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