Aufsatz 
Erklärung des 58ten Psalmes / Johann Georg Friedrich Leune
Entstehung
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Mann mus wiſſen, daß im Morgenlande, beſonders wo es ſehr giftige Schlangen giebt, das beſchwoͤren derſelben gewoͤhn⸗ lich iſt. Naͤmlich es giebt Leute welche die Kunſt verſtehen, jhnen durch allerlei Taſchenſpielerei auf einige Zeit das Giſt zu nehmen, welche Beſchwoͤrer heiſen, weil ſie dabei Zauberlieder herſagen. Auch laſſen ſie die Schlangen tanzen und beluſtigen damit die Zuſchauer. Dieſer Tanz iſt eine Bewegung des Kopfes und Vorderleibes, und ſoll nach Niebuhrs Meinung daher kommen, weil etliche Arten der Schlangen muſikaliſch ſind. Noch izt heißt im Morgenland der, welcher dieſe Kunſt treibt Vnd oder vrod und eine Schlange, die nicht tanzen, oder ſich das Gift nehmen laſſen will, eine taube Schlange. Daß dieſe Kunſt auch bei den Iſraeliten in alten Zeiten ge⸗ weſen iſt, ſieht man auſſer dieſem Pſalm noch aus Prediger Salom. 10, 11. wo von einer unbeſchwornen Schlange, an der nämlich der Beſchwörer noch nicht ſeine Kunſt bewie⸗ ſen hat, geredet, und mit welcher der gefährliche Schwäͤzzer verglichen wird.* 41 3 Awie dieſe Schlangen ſind, will alſo der Dichter ſagen, ſind auch die ungerechten Richter des Landes; ſo gefäͤhrlich und ſchadlich, daß ſie einen Menſchen ganz zu Grunde richten kön⸗ nen; wie bei Schlangen, ſo iſt bei ihnen eine beſtaͤndige Be⸗ gierde andere ins Verderben zu ſtuͤrzen und zu morden, und eben ſo wenig es moͤglich iſt, einige Schlangen durch irgend

ein * Mann kann uͤber die Gewo dha im Orient Schlangen zu beſchwoͤ⸗ ren nachleſen Niebuhrs Reiſebeſchreibung B. 1. S. 189. und Berrn

Zofrath Michaelis Moſaiſches Recht 2. ſ. S. 204. desgleichen

Zerrn Prof. Freylingsbauſens herausgegebene neuere Daͤniſthe

Miſſionsgeſchichte v. Oſtindien Stuͤkk 16. S. 414. auch Bochart

im Hierozoikon Th. 1. B. z. K. 6. Wir haben auch Schriftſteller die uns mit dieſem Kunſtiſtüͤkk naͤher bekannt machen, und zeigen

wie es wohl moͤglich ſei, Schlangen auf einige Zeit das Gift zu nehmen.. 7 1

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