Aufsatz 
Über die Kirche des Chatel / [Rudolf Karl Albert] Holzapfel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

30

v. Bärensprung zu betrachten. Die vielseitigen Verdienste dieses geachteten Mannes um das Vaterland und die Hauptstadt sind im lebendigen Andenken derer, die theils sein Wir- ken in jener vielbewegten Zeit kennen gelernt haben, wo sich in der Gefahr der echte Vaterlandsfreund erprobte, theils später seinen Eifer und seine Ausdauer in der Anregung und Ausführung vieler dem Gemeinwesen nützlichen Einrichtungen achten und sein grosses Talent bewundern lernten, eiazelnen für sich abgeschlossenen Verwaltungssphären diejenige selbst- ständige Gestaltung zu geben, durch welche sie kräftige Glieder in der Verkettung des grossen Staats-Ganzen werden. Es kann dieses Orts nicht sein, das gehaltreiche Leben des- selben auch nur in so kurzen Hauptzügen darzustellen, wie sie in der dem Conversations- Lcxicon der neuesten Zeit und Literatur(Bd. I. S. 173.) einverleibten Biographie enthalten sind und auch aus dem von der Hand eines Freundes in den Berlinischen Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen 1841. No. 164. entworfenen Nekrolog hervorgehen. Das eigenthüm- liche Verdienst desselben um unsere Anstalt, der er vom Augenblick ihrer Neubegründung im Jahr 1824 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Magistrats-Collegio 1834 als erster Gym- nasiarch vorstand, möge hier mit gebührender Anerkennung erwähnt werden.

Neben andren gemeinnützigen Interessen der Stadtverwaltung, die auf Chaussee- und Brük- kenbau, Urbarmachung sandiger Stellen in der nächsten Umgebung Berlins, Regulirung des Schuldenwesens, der. Besteuerung, der Armenverwaltung, Gründung veiner Sparkasse und so vieles andere gerichtet waren, und frische Lebenszeichen der neuen Städteordnung enthielten, hatte er auch vor allen Dingen die Jugendbildung im Auge. Her vor zwanzig Jahren lebhafter als je angeregte Streit zwischen Philologismus und Realismus auf dem Gebiete des öffentlichen Schulwesens, den der wahre Humanismus theilweise schon ausgeglichen hat und hoffentlich je länger je mehr ausgleichen wird, nahm auch seine Theil- nahme in Anspruch. Er stand als praktischer Geschäftsmann auf r ealistischer Seite. Ohne irgend den Werth der klassischen Studien herabzusetzen, hielt er es doch des Versuches werth, die Beschäftigung mit den Realien auf vernünftige Weise mit dem Unterrichte zu verflechten, in der Jugend Sinn und Empfänglichkeit für diejenigen Kenninisse zu erwecken, die mit dem Leben in unmittelbarer Beziehung stehen, auch, so weit es anging und der all- gemeinen Ausbildung nicht widerstrebte, die Elemente dieser Kenntnisse auf Schulen zu leh- ren. Die Gewerbschule sollte dies überwiegend für den Stand der Gewerbtreibenden, das Real-Gymnasium für den höheren Beamtenstand leisten. Mit dieser Idee, die bei dem städtischen Vorstande allgemeinen Anklang ſand, wurde im J. 1824. die damalige Cöl- nische Schule, deren Gymmasialklassen in früheren Zeiten der Bedrängniss mit dem Berlinischen Gymnasium vereinigt waren, wieder selbstständig gemacht und die Anstalt erhielt den Na- men eines Real-Gymnasiums..

Jede zeitgemässe Vervollkommmung in der Auslührung dieser Grundidee wurde von ihm mit Eifer ergriffen und fand bei ihm Unterstützung. Denn so frei zeigte er sich von dem gegen diese Bestrebungen erhobenen Vorwurfe des einseitigen Utilismus, dass er selbst zur Begrün- dung des griechischen und hebräischen Unterrichts aus eigenem Antriebe beitrug. Die seit jener Zeit erschienenen jährlichen Programme enthalten vielfältige Beweise seiner für das Beste der Austalt bei den Behörden derstadt und des Staates eingetretenen Vermittelung. Der daraus her- vorgegangenen Fürsorge des Hochlöbl. Magistrats und der Wobllöbl. Stadtverordneten-Versamm- lung Verdankt es das Real-Gzmnasium, dass es seinem Namen nach dem Gegensatze, der seine Begrüadung hervorgerufen hat, seiner Einrichtung und seinem Streben nach aber dem Veruittelungsprincipe beider Gegenstze, dem wahren Humanismus angehört. Beschaffun

1 ausreichęnder L.ehrmittel, angemessene Besoldung der Lehrer, deren Bedeutung für das Gemein- wesen Leiner besser zu würdigen verstaud, war seine eilrigste Sorge.