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der übrigen cryptogamischen Gewächse in der Pflanzengeographie noch sehr dunkel st, da sie ihrer specifischen Verschiedenheit, ihren numerischen Verhältnissen und ihrer Verbreitung nach, noch viel zu wenig bekannt sind, als dass sie jetzt schon eine für unsere Disciplin erfolgreiche Betrachtung gestatteten. Dies ist auch der Grund, weshalb ich sie bei den nachfolgenden Angaben unberücksichtigt gelassen habe, obgleich für unsere Gegend viel für die Kenntniss derselben schon gethan ist. Ueberdies aber dürfen wir uns auch der Versicherung hingeben, von den Phanerogamen, welche die Natur durch einen vollendeteren Bau so sichtlich bevorzugt hat, viel bedeutendere Aufschlüsse zu erhalten, als von den Zellenpflanzen, die hier wahrscheinlich nie eine erhebliche Wichtigkeit erlangen werden.
Aus dem Vorigen erhellt zugleich die Nothwendigkeit der sorgfältigen Beobach- tung alles dessen, was auf das Klima Bezug hat. Nun sind aber genaue Beobach- tungen über die Luftfeuchtigkeit noch immer so vereinzelt, dass sie zu einer nütz- lichen Uebersicht keineswegs zusammengestellt werden können; der Einfluss des Lichts lässt sich noch gar nicht in Rechnung ziehen, sondern eben nur im Allgemei- nen angeben, und nur die Temperatur-Beobachtungen sind in einer so umfassenden Weise angestellt, dass sie eine brauchbare Zusammenstellung gestatten, die denn auch bereits ausgeführt ist, und auf viele interessante Thatsachen geführt hat.
II. Verhalten der einheimischen Pflanzenformen in anderen Klimaten.
Um den Einfluss der Wärme auf die bei uns durch Arten-Reichthum ausge- zeichneten Pflanzenformen darzustellen, habe ich die Floren dreier Länder, die sich durch Temperatur-Differenzen auflallend von einander unterscheiden, verglichen, und in jedem das Verhältniss derselben Familie zur übrigen Vegetation berechnet. Für den Norden bot sich mir Wahlenberg's Flora von Lappland ¹) dar, für Deutsch- land benutzte ich Koch's ²) bekanntes Werk, mit Fortlassung der ausser Deutsch- land vorkommenden Gewächse, und für den Süden lag mir das bei L. v. Buch ³) befindliche Verzeichniss der auf den Canarischen Inseln wachsenden Pflanzen vor. Da aber fünf dieser Inseln eine so bedeutende Höhe erreichen, dass sich mehrere Regionen unterscheiden lassen, und also in der Gesammt-VUebersicht der Pflanzen die Formen kälterer und warmer Gegenden untereinander gerathen, 80 habe ich die in der subtropischen Region vorkommenden besonders hervorgehoben, und sie allein
1) Flora lapponica exhihens ann, geos et hotaniee consideratas in Lopponiis suecicis nec non L. norbegiois indigenas. Herolini 1812. 1FA 143
2) Spnopsis florae germanicae et Aelueticae erhihens stinpes nhonaexanues rite cogni- tas, quae in Germania, Helvetia, Borussia et Istria sponte orescunt atgue in homi- num usum copiosius coluntur. Francaf. ad M. 1837.
³) Physikalische Beschreibung der Canarischen Inseln. Berlin 1825.


