Die
Vegetation in der Mark Brandenburg.
Ein Beitrag
zur
Pflanzen-Geographie.
I. Beziehungen zwischen der Vegetation und dem Klima.
Unter allen Ursachen, welche auf das Gedeihen der Pflanzen einwirken, sind Wärme Licht und Wasser von so entschiedenem Einfluss, dass ihnen gegenüber nur in seltenen Fällen ein anderes Element Bedeutung erlangt. Daher sprechen sich die klimatischen Verhältnisse in den Pflanzen auf so bestimmte Weise aus, dass sich von diesen auf jene und umgekehrt die erspriesslichsten Folgerungen haben herleiten las- sen; ja es werden von den Gewächsen atmosphärische Zustände angedeutet, zu de- ren wissenschaftlicher Beobachtung es noch sogar an den geeigneten Instrumenten fehlt. Die Vegetation ist eine Klimatologie, welche die Natur mit wunderbarer Treue und unvergleichlicher Schönheit uns dargestellt hat, und seitdem wir gelernt haben die Charaktere dieses inhaltreichen Buches zu deuten, hat es nicht an glänzenden Aufschlüssen über Alterthum und neue Zeit, über Urwelt und Gegenwart gefehlt, wie jeder weiss, der mit der frühesten Geschichte unseres Erdballes vertraut ist. Zwar giebt es Pflanzen, die unter den verschiedensten Himmelsstrichen gedeihen: Lemna minor, Lemna trisulca, Marsilia quadrifolia, Convoloulus Sepium, Fe- stuca fluitans, Arundo Phragmites, Panicum Crus Galli, Scinpus lacustris, Cla- dium Mariscus, Juncus effusus, Solanum nigrum ¹), sämmtlich bei uns wohlbe- kannte Arten, wachsen auch auf Neu-Holland. Samolus Valerandi ist über alle Erdtheile verbreitet; desgleichen WMaslurtium officinale, welches nur in Neu-Holland
¹1) Meyen Pflanzengeographie. Berlin, 1836. p. 110.


