Aufsatz 
Ueber die Naturgeschichte des Kreuzsteins, eine mineralogische Abhandlung / von F. Köhler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

I. Zur Naturgeschichte des Kreussteins.

E. giebt wenige Minaralien, die sowohl in Hinsicht der Ausbildung ihrer Ke stallform, als auch der in ihrer Mischung statt findenden Beziehungen wegen in gleichem Grade ausgezeichnet wären wie der Kreuzstein. Deshalb haben auch die ersten Mineralogen der neuern Zeit seine Eigenthümlichkeiten ihrer Auf- merksamkeit nicht unwerth gehalten, und manche treffliche Arbeit zeugt von dem regen Interesse, das er ihnen abgewann.

Einen so vielfach und von so ausgezeichneten Männern unternommenen Gegenstand von Neuem zu ergreifen, würde ich nicht wagen, da hereits mit grosser Schärfe und Klarheit die eminentesten seiner Eigenschaften entwickelt worden sind; aber ein glücklicher Zufall setzt mich in den Stand, die schon vorhandenen Beobachtungen durch einige neue zu vervollständigen, weshalb es nicht unzweckmässig seyn möchte, sie hier in Verbindung mit den frühern dar- zustellen.

Formen anorganischer Körper, die wie die des Kreuzsteins gegen das Gesetz der Symmetrie, das durch den Charakter eines Krystallsystems bedingt wird, verstossen, sind am meisten geeignet uns über die Verbindungsweise der Krystallsysteme untereinander einen genügenden Aufschluss zu geben; ja bietet uns überhaupt die Natur irgendwo die Hand dazu: so ist es nur in einem sol- chen Falle zu erwarten.

Die Zerfällungslust mancher Naturbeobachter hat neuerdings auch des Kreuzsteins sich bemächtigt, und seine einfachsten Krystalle selbst ganz gegen

1