Aufsatz 
Der Schulgarten des Realgymnasiums und der Realschule zu Gießen / von [Rudolf] Erb
Entstehung
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1. Der Schulgartken.

Schon in früheren Zeiten hat an der Realſchule zu Gießen ein Schulgarten unter der Leitung des Herrn Profeſſors Dr. Buchner beſtanden. Derſelbe entſprach in ſeiner Ausdehnung der Größe der damaligen Anſtalt. Dieſe Anlage hat ihre ſegensreiche Einwirkung auf die damaligen Schüler nicht verfehlt. In dankbarer Erinnerung lebt dieſer Garten, die darin verrichteten Arbeiten und gemachten Erfahrungen noch heute in ihnen fort ein lebendiger Beweis für den wohlthätigen Einfluß dieſer Gärten auf Geiſt und Gemüt der Schüler.

Als in ſpäteren Jahren zu dem Neubau einer Realſchule geſchritten werden mußte, blieb auf der Nord⸗Oſtſeite des neuen Baues ein Stück Gelände übrig, das als Bauplatz für eine Dienſtwohnung des Direktors mit dem dazugehörigen Garten vorgeſehen war. Da der damalige Leiter der Anſtalt eine Dienſtwohnung nicht verlangte, ſo unterblieb der Bau derſelben, und das ganze Baugelände wurde zu einem Garten angelegt. Schönheit der Anlage wurde dabei zunächſt ins Auge gefaßt, weil immer noch die Abſicht beſtand, ſpäter hier eine Direktorwohnung zu errichten. Nur ein geringer Teil des Gartens wurde zum Anbau von Pflanzen für den botaniſchen Unterricht verwendet.

Neuerdings ſchien nun die Ausſicht auf Erbauung einer Dienſtwohuung in ſo weite Fernen zu rücken, daß der Entſchluß heranreifte, den ganzen Garten zum Schulgarten zu verwenden und ihn zweckentſprechend umzubauen. Nachdem dieſem Projekt von dem Vorſtande der Stadt Gießen die Genehmigung erteilt und die nötigen Geldmittel dafür bereitwilligſt zur Verfügung geſtellt worden waren, begann die Neuanlage nach dem angeſchloſſenen Plan im Frühjahre 1891. Sie wird in dieſem Jahre zu Ende geführt werden.

Der Garten liegt an der Nord⸗Oſtſeite des Schulgebäudes und des Schulhofes. Er bedeckt bei einer durchſchnittlichen Breite von 18 m und einer Länge von 87 m eine Fläche von circa 1566 qm. Die Längserſtreckung geht von S0 nach NXW(ſiehe Plan). Im SW von dem Zugang zu dem Schul⸗ gebäude reſp. Schulhof begrenzt, ſtößt er im NXW an die Straße; im NO zieht eine hohe Mauer entlang, und im 80 bilden Pedellgarten und Turnhalle den Abſchluß.

Der Boden des Gartens iſt im nordweſtlichen Teil thonig⸗mergelig, in der ſüdöſtlichen Hälfte dagegen ſandig, mit Geröll und Bauſchutt vermiſcht. Da er hier durch Zufuhr von Dünger und beſſerer Erde einer nachhaltigen Melioration bedarf, ſo wurden hier mehr ein⸗ und zweijährige Pflanzen untergebracht