Aufsatz 
Das Englische auf dem Gymnasium / Julius Jelinek
Entstehung
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Ungleich ergiebiger für solche Vergleichungen als unser schlesischer Dialekt ist der platt- deutsche, der, nachdem er noch vor wenigen Jahrhunderten eine der hochdeutschen durchaus nicht unebenbürtige Litteratur gezeitigt hatte, in unseren Tagen besonders durch Reuters Dichtungen zur Kenntnis weiterer Kreise gelangt ist. So wird denn auch außerhalb des plattdeutschen Sprachgebietes auf entsprechende Hinweise nicht völlig zu verzichten sein. So mancher Schüler dürfte der Sprache der Reuterschen Dichtungen nicht mehr ganz fremd gegenüberstehen, so mancher andere durch der- artige gelegentliche Hinweise veranlaßt werden, den Reuterschen Dichtungen näher zu treten, deren Hineinziehung in den Bereich der Schullektüre, nebenbei bemerkt, auch ohne Rücksicht auf das Englische von mancher Seite befürwortet wird. Folgende Beispiele, die sich nach einer von mir angestellten Vergleichung aus den ersten fünf Seiten von Hanne Nüte etwa um die fünffache Zahl von gleicher Augenfälligkeit vermehren ließen, mögen genügen, um von dem Grade der Ahnlichkeit des Plattdeutschen mit dem Englischen eine Vorstellung zu geben:

plattdeutsch englisch plattdeutsch englisch

as't as it(auch im Engl. häufig't) aewel evil

drewen drew slackrig slack Gösseling gosling(Gänseküchlein) Storm storm knütten knit hart heart hewen heaven rug rough wo how saeben seven lütt little(vgl. Lützelstein) fiw five

Der Umfang derartiger Vergleichungen wird sich darnach zu bemessen haben, ob durch die- selben die Aneignung des Englischen erleichtert wird oder nicht. Gleichwohl wird selbst eine sich maßvoll im Horizonte dieses praktisch- nüchternen Gesichtspunktes haltende Anwendung dieses Verfahrens zugleich ideelle Gewinne im Gefolge haben, zuerst den, dass der Schüler dadurch vom Wesen der Dialekte und ihrem Verhältnisse zur Schriftsprache einen unmittelbaren Eindruck empfängt, dass er in der letzteren nur eine von mehreren Schwestern sieht, die etwa durch die Gunst der Verhält- nisse zu höherer Bildung und größerer Vornehmheit gelangt ist. Doch nicht diesen allein. Es kommt dem Schüler dabei zugleich zum Bewußtsein, dass das Mare Germanicum, derGerman Ocean der Engländer, nicht eine Grenze, sondern das Mittelmeer des germanischen Sprachgebietes darstellt.

Es gab eine Zeit, da die germanischen Staatenbildungen nicht nur die westliche Hälfte Europas umfaßten.Da zogen Sänger von einem germanischen Königshofe zum andern, und was zu Ravenna vor Theoderich gesungen wurde, das konnte in Karthago bei den Vandalen, in Paris bei Chlodovech, in Burg-Scheidungen bei den Thüringen gleichfalls vorgetragen und verstanden werden. So wußten diese Völker von einander und kannten ihre Zusammengehörigkeit.

Sind auch jene Staatenbildungen zum größeren Teile durch den Sturm der Zeiten dahin- gerafft, so kann doch uns heutigen Tages auch ohne dass wir uns gerade auf den Standpunkt Döllingers stellen, der zwar das deutsche Volk für berufen erklärt, die Probleme der Menschheit am tiefsten aufzufassen und zu lösen, aber durch Vermittelung des Englischen das Bewußtsein mit einer ge- wissen Genugthuung erfüllen, dass es immerhin ein niederdeutscher Dialekt ist, der zur weltbeherrschenden Kultursprache ausgereift, aber seiner niederdeutschen Schwester auch heute noch so ähnlich, deutsches Denken, Fühlen und Wollen, wie es sich in der englischen Litteratur so unverkennbar widerspiegelt, bis an den entlegensten Gestaden des Erdkreises verkündet.

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