24
ſehr gut, wenn man außer der Oeffnung, durch welche ſie angeblaſen werden, noch eine zweite Oeffnung oder auch noch mehrere Oeffnungen an den verſchiedenen Seitenwaͤnden bohrt, und zwar wird der Ton um ſo hoͤher, je groͤßer die Anzahl und das Lumen dieſer Oeffnungen iſt. Daſſelbe findet auch bei flaſchenfoͤr⸗ migen Pfeifen Statt, uͤber welche wir in dieſer Beziehung Liskovius einen Verſuch verdanken. Derſelbe*) beſtimmte naͤmlich den Ton einer in ihrer Mitte kugelfoͤrmig aufgeblaſenen Glasroͤhre einmal, wenn das nicht angeblaſene Ende der Roͤhre gedeckt, das andremal, wenn beide Muͤndungen offen waren, und fand es auffallend, daß die Deckung nicht wie bei cylindriſchen oder prismatiſchen Roͤhren eine Ton⸗ vertiefung von einer Octave, ſondern nur von einer reinen Quinte oder einer kleinen Sexte herbeifuͤhrte.
Ich ſtellte, um den Einfluß von zwei in einer kubiſchen Pfeife angebrachten Oeffnungen auf die Tonhoͤhe zu finden, folgenden Verſuch an. Von einem etwa 42 Mllm. weiten Lampencylinder wurde ein 52 Mllm. langes Stuͤck abgeſchnitten, auf deſſen beide offenen Seiten zwei Blechplatten gekittet wurden, in welche ich gleichgroße kreisfoͤrmige Oeffnungen eingeſchnitten hatte. Ihr Durchmeſſer betrug 8, 3 Mllm. Wurde die eine Oeffnung gedeckt und die andre angeblaſen, ſo gab der Apparat den Ton c, waren beide Oeffnungen offen, ſo ſprach fis an, wobei es in beiden Faͤllen gleichguͤltig war, an welcher Seite der Apparat angeblaſen wurde. Die zweite Oeffnung der Pfeife veranlaßt alſo eine Tonerhoͤhung von einer verminderten Quinte.
Die Erklaͤrung dieſer Erſcheinung finde ich in der Annahme, daß ſich, wenn beide Oeffnungen offen ſind, in der Mitte der Pfeife eine Knotenflaͤche bildet, ſo daß das Luftvolumen, welches bei einer Oeffnung ungetheilt vibrirte, jetzt, in zwei gleiche Theile getheilt, nach den entgegengeſetzten Oeff⸗ nungen ſchwingt. Es bildet ſich demnach jetzt nicht mehr bloß an den innern Waͤnden, ſondern auch in der Mitte des innern Raumes der Pfeife abwechſelnd eine Verdichtung und Verduͤnnung. Jeder dieſer beiden Theile des in der Pfeife enthaltenen Luftkoͤrpers ſchwingt ganz in derſelben Weiſe wie in einer nur mit einer Oeffnung von gleicher Groͤße verſehenen Pfeife, deren innerer Raum aber nur halb ſo groß iſt. Da die Schwingungszahlen nach dem Vorangehenden ſich umgekehrt wie die Quadratwurzeln aus dem Volumen verhalten, ſo muß das Schwingungsverhaͤltniß der beiden oben erhaltenen Toͤne e und fis gleich V=2 oder 1,414 ſein, welches in der That der verminderten Quinte angehoͤrt. Daſſelbe Reſultat wurde durch einen zweiten Verſuch, welcher zugleich zeigt, daß die beiden Oeffnungen nicht einander gegenuͤber ſtehen muͤſſen, erhalten. In dem großen cylindriſchen Meſſingballon, mit welchem der 11. Verſuch der Tabelle V. angeſtellt worden iſt, wurde eine zweite gleich große rectangulaͤre Oeffnung ein⸗ geſchnitten. Die erſte war in der Hülle des Cylinders, die zweite in der Mitte einer Grundfläche ange⸗ bracht, ſo daß ſie ſich alſo nicht an den entgegengeſetzten Seiten der Pfeife befanden. Wurde die eine Oeffnung zugehalten, ſo ſprach F an, waren beide Oeffnungen offen, ſo gab der Apparat den um die verminderte Quinte hoͤhern Ton, naͤmlich H an.
In einem dritten Verſuch, der mit dem unter No. 7 in Tabelle V angewandten Wuͤrfel angeſtellt wurde, waren die beiden Oeffnungen einander noch naͤher gerückt. Sie waren naͤmlich beide in derſelben Seitenflaͤche des Wuͤrfels eingeſchnitten und zwar die eine ganz nahe der einen Kante des Wuͤrfels, die andere etwas uͤber die Mitte der Seitenflaͤche nach der entgegengeſetzten Seite geruͤckt. Beide Oeffnun⸗ gen waren Rechtecke, in welchen die eine Seite 27 Mllm., die andere 75 Mllm. lang war. Dieſe Qeffnungen waren uͤberdieß einander parallel und 37 Mllm. von einander entfernt. Der Apparat gab, wenn die eine Oeffnung gedeckt war, es an; wurde auch die andere Oeffnung. geoffnet, ſo ging der Ton in a uͤber.
*) Poggendorffs Annalen Bd. 58 pag. 102.


