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ſtaͤrkeres Blaſen hoͤher getrieben werden kann. Auch bei dem um ſeine Are rotirenden Brummkreiſel findet, wie oben§ 3 angegeben wurde, dieſelbe Veraͤnderung in dem hierbei anſprechenden Tone Statt, natuͤrlich aber in umgekehrter Ordnung. Durch dieſe Analogie zwiſchen dem durch das Anblaſen und durch die Rotation des Brummkreiſels erhaltenen Tone iſt demnach das zweimalige durch eine Pauſe unterbrochne Toͤnen des Kreiſels erklaͤrt, und uͤberdieß ein neues Argument gegen die Annahme gefunden, daß die Centrifugalkraft den Ton erzeuge; denn es iſt nicht einzuſehen, wie die mit der Rotationsgeſchwindigkeit abnehmende Centrifugalkraft, welche nicht im Stande war, den ſchon ſchwin⸗ genden Luftkoͤrper des Brummkreiſels bei abnehmender Geſchwindigkeit in Vibration zu erhalten, zuletzt noch einmal das Anſprechen des Tons veranlaſſen ſollte.
Wenn man nach dem Vorangehenden die von F. Savart gegebene Erklaͤrung fuͤr die richtige halten muß, ſo bietet ſich doch eine Bemerkung dar, welche mit der Angabe des franzoͤſichen Phyſikers nicht uͤbereinſtimmt. Derſelbe hebt naͤmlich die ſcharfen Raͤnder(bords tranchans) der Seitenoͤffnung her⸗ vor und ſcheint ſie fuͤr die Erzeugung des Ton's weſentlich zu betrachten. Dieß ſind ſie jedoch nicht, denn zwei hoͤlzerne Brummkreiſel, deren Seitenoͤffnung ich von außen mit einer Feile abgerundet hatte, ſprachen nichts deſto weniger bei ihrer Rokation an. Hierin liegt jedoch keine Veranlaſſung, Savart's Erklaͤrung aufzugeben, da beide Brummkreiſel auch nach der Abrundung der Seitenoͤffnung noch gut anſprachen, wenn ich ſie von außen anblies.
Noch ein anderer Umſtand ſcheint gegen die Savart'ſche Anſicht zu ſprechen. Bohrt man nämlich in die Hohlkugel des Brummkreiſels oben in der Drehungsaxe ein Loch, ſo ſpricht der Ton bei der Rotation nur dann noch gut an, wenn dieſes Loch im Vergleiche zu der Seitenoͤffnung ſehr klein iſt. Schon wenn die in der Rotationsaxe gelegene Oeffnung, bei ihrer allmaͤhlichen Vergroͤßerung, dem Flaͤ⸗ cheninhalte nach den zehnten Theil von der Seitenoͤffnung erreicht hat, ſo ſpricht der Ton nur kurze Zeit ſehr ſchwach an und zwar nur bei geringer Drehungsgeſchwindigkeit; macht man jene Oeffnung noch groͤßer, ſo toͤnt der Brummkreiſel waͤhrend des Rotirens nicht, ſpricht dagegen noch gut und leicht an, wenn man ſeine Seitenoͤffnung anblaͤßt. Es findet alſo hier eine Verſchiedenheit in dem Verhalten des Brummkreiſels beim Rotiren und Anblaſen Statt, wodurch man vielleicht veranlaßt werden könnte, der von C. Marr aufgeſtellten Anſicht den Vorzug zu geben, wenn ſich das Nichtanſprechen der in der Axe angebohrten Brummkreiſel bei der Rotation nicht auf eine ſehr einfache Weiſe erklaͤren ließe. Die in der Hohlkugel enthaltene Luft nimmt naͤmlich in Folge der an den innern Waͤnden Statt findenden Reibung an der Rotation des Brummkreiſels Theil, woran um ſo weniger zu zweifeln iſt, da auch die aͤußere Luft der Rotation folgt und bis auf die Entfernung von einigen Zollen an der Kreisbewegung Theil nimmt.“) Die mitrotirende Luft tritt daher in Folge der Centrifugalkraft zum Theil aus der Seitenoͤffnung des rotirenden Brummkreiſels, ſo daß in deſſen Innern ein etwas luftverduͤnnter Raum entſteht, wenn nicht durch eine in der Drehungsaxe angebrachte Oeffnung fortwaͤhrend Luft von außen zuſtroͤmen kann. Hat nun dieſe Oeffnung die ausreichende Groͤße, ſo dringt aus der Seitenoͤffnung des Kreiſels ununterbrochen ein Luftſtrom, welcher in der Richtung der Tangente auf die aͤußere Luft ſtoͤßt und dieſe nicht blos in raſchere Rotation verſetzt, ſondern auch das Anblaſen der bewegten Seitenoͤffnung verhindert. Iſt da⸗ gegen die Axenoͤffnung verhaͤltnißmaͤßig klein, ſo iſt der aus der Seitenoͤffnung hervortretende Luftſtrom
*) Dieſes Mit⸗Rotiren der den Brummkreiſel umgebenden Luft, von welchem ich mich durch Verſuche uͤberzeugt habe, bewirkt, daß der Brummkreiſel bei einer groͤßern Drehungsgeſchwindigkeit toͤnt, als mir nach den oben be⸗ ſchriebenen mit der Centrifugalmaſchine angeſtellten Verſuchen und im Vergleich zu dem beim Anblaſen mit dem Munde erforderlichen Luftdrucke nothwendig ſchien.
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