„O schone des Kindes, erbarme dich sein!
O blick' in sein Auge so unschuldsrein!“
„Der Junge wird, scheint's, zu den Ahnen bald geh'n. Was schadet's auch, Bürgerin?'s muß wohl gescheh'n!“ so höhnt er. Die Königin weinend fragt: „Hat jemals ein Kind zu Dir„Vater“ gesagt?“
„Ein einz'ges; längst schlummert's im kühlen Grund,“ Tönt's weicher zurück aus des Hünen Mund.
Da zeiget das schwesterchen hin mit der Hand,
Wo nah' in der Ecke die Harfe stand.
Oft war sie erklungen im Königsgemach,
Nun folgte als Freundin zum Kerker sie nach.
„O singe ein Lied, lieb Mütterlein!
Dann hör'n wir nicht draußen das Fluchen und schrei'n.“ Die Königin blickt auf ihr krankes Kind,
Dann geht sie und greifet zur Harfe geschwind.
Nun prüfend die Hand durch die saiten fährt,
sie SPielet ein Lied, das einst ihr gelehrt
Der Meister Gluck in dem fröhlichen Wien,
Da strahlend die sonne der Jugend ihr schien.
Doch was sich den saiten der Harfe entrang,
War mehr als des Liedes bezaubernder Klang,
Das war einer Mutter geheiligter schmerz,
Der griff mit Macht in des Lauschenden Herz.
Der Jakobiner verbirgt sein Gesicht,
Da hell aus dem Auge die Träne ihm bricht,
Die erste Träne seit manchem Jahr,
sie rettet den Dauphin aus Todesgefahr.
Weg schleudert der Hüne die Pfeife wie Tand
Und drückt der Königin freundlich die Hand.
„Es wäre doch schad um das artige Kind!
Will sehen wo, Bürgerin, Hilfe ich find'.“
Dann eilt er behend aus dem engen Gemach,
Ein dankbares Auge folgt segnend ihm nach.—
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