Aufsatz 
"Tod und Sterben" in der modernen Lyrik : eine literarische Studie mit einer Beigabe eigener Gedichte / von Bonifaz Rauch
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Aber das Kolorit des Gemäldes ist bei C. F. Meyer viel sonniger als bei salus, der Wille zum Leben in dieser oder jener Form kommt mächtig zum Durchbruch und das Gefühl der Daseinsfreude.

Häufig begegnet uns das Motiv vonTod und sterben in den Liedern der Ricarda Huch, nicht selten in pantheistischer Färbung. so imElfenreigen, dessen letzte strophe den Uebergang der Menschenseele ins Naturleben dichterisch veranschaulicht:

Und muß ich auch sterben, so werd' ich ein Geist, Von Wolken getränket, von Lüften geSPeist;

Dann kann ich auch tanzen mit schwebendem Leibe, Wenn Mondenschein fließt von der wankenden scheibe,

so leicht und so schön Mit reigenden Elfen auf schimmernden Höhn.

Die Idee der seelenwanderung begegnet uns auch in dem GedichteErinnerung: Einmal vor manchem Jahre War ich ein Baum am Bergesrand,

Und meine Birkenhaare Kämmte der Mond mit weißer Hand.

Den abstrakten Gedanken von der kreisenden Lebenskraft hat Ric. Huch konkret gestaltet durch Personifikation des Todes, der mit der einen Hand gibt, während die andere nimmt.

Tod säemann. Durch ein wallend Korngefilde schreitend sah ich wie ein Mann die Aehren mähte; Aus der sreien Linken aber gleitend sah ich Körner, die er wieder säte. seltsam war ein schnitter mir erschienen, Der zugleich das Feld mit samen segnet. Da erkannt' ich seine ernste Mienen: sieh, es war der Tod, dem ich begegnet!

Diese Verse klingen wie eine Paraphrase zu den Radierungen Klingers im zweiten Zyklus vom Tode, welche den Gedanken be handeln: Alles verfällt dem Tode, aber aus dem Tode blüht neues Leben.

Wie der Romantiker Eichendorff, wie Paul Heyse dem Tode ihrer Kinder, so hat Isolde Kurz dem toten Geliebten in dem Zyklus

XVI