„Tod und sterben“ in der neueren Tyrik.
„sterben ist eine harte Buß.“ Dieses Wort, das der Volks— mund geprägt, gilt vielleicht in besonderer Weise vom Künstler und Dichter. Je tiefer er als andere sterbliche die schönheit der Natur gefühlt und empfunden hat, desto schwerer mag auch der Abschied vom Leben fallen. Was Wunder also, wenn sich ihm inmitten der leuchtenden Farbenpracht, die seine sinne bestrickt, immer wieder der Gedanke aufdrängt an jene stunde, da all der Glanz für ihn er— lischt? Wie für den Philosophen, so ist auch für den Dichter Tod und sterben in gewissem sinne das Problem der Probleme, das jener mit dem grübelnden Verstande zu lösen, dieser künstlerisch zu bewältigen sucht. Es gewährt nun einen eigenartigen Reiz die ver⸗ schiedene Art und Weise, wie hier der einzelne Dichter zu Werke geht, zu verfolgen. Offenbart sich doch gerade hier das innerste Denken und Fühlen eines jeden, seine Weltanschauung, und zugleich auch die Eigenart seiner Kunst; denn die„persönliche Note“, die den Wert und Reiz des Kunstwerks zumeist bedingt, erklingt hier am reinsten und vollsten.
Es kann an dieser stelle nur eine kleine Auslese aus den modernen Lyrikern gegeben werden; aber selbst diese zeigt deutlich, wie die ganze skala der Gefühle von ruhiger Ergebung bis zum schmerzvollen Aufschrei durchlaufen wird. Nicht ein jeder hat den Mut wie der Dramatiker Gerhard Hauptmann zu behaupten:„Der Tod ist die mildeste Form des Lebens.“ ů


