Aufsatz 
De Arati Solensis aetate Quaestionum chronologicarum specimen primum / Reinhold Koepke
Entstehung
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C. Statistische Nachrichten.

I. Lehrer.

Das Lehrercollegium ist von einem schweren Verluste betroffen worden. Das älteste Mitglied desselben, der Prorector Dr. Heinrich Wilhelm Sausse ist am 20. März 1866 sanft entschlafen. Gesund und heiter erregt, wie immer, wenn er einen an Arbeit reichen Tag beschlossen, hatte er am Abende vorher seine Familie verlassen, um sich zur Ruhe zu begeben. Am Morgen fanden ihn seine Angehörigen todt im Bette, er war ohne Todeskampf eingeschlafen: der Friede Gottes lag auf seinen Zügen. Wie er sein ganzes Leben lang an jedem Tage mit seiner Pflicht abrechnete, hatte er auch mit Allem klar abgeschlossen, als er aus dem Leben schied. Selbst die kleinen Geschäfte, die das Schulamt am Schlusse eines Semesters seinem Träger auferlegt, waren von ihm bis auf das kleinste abgemacht worden. Wohl hatten einzelne Acusserungen des Entschlafenen, deren man sich nachher erinnerte, an- gedeutet, dass in ihm leise Ahnungen von seinem baldigen Hintritte aufgestiegen waren, doch hatte in ihm die freudige Hoffnung, dass ihm noch das seltene Glück vergönnt sein werde, sein funfzigjähriges Amts-Jubiläum zu feiern, die Oberhand behalten. Hatte er doch grade sieben und vierzig Jahre an dieser Anstalt gelehrt und mehr als zweitausend Schüler zu seinen Füssen sitzen gehabt! Er war so eng mit der Schule verwachseu, dass man sich dieselbe ohne ihn gar nicht denken konnte; sein ganzes Wesen war eigenartig und stark genug, um dem Lehrercollegium und der Schule einen bestimmten Cha- racter aufzudrücken, und doch trat bei ihm jedes eigene Interesse in den Hintergrund, wo es galt als Glied eines grössern Organismus dem Ganzen zu dienen. Dem Unterzeichneten war er ein-väterlicher Freund und Rather. Seine Vorschläge trafen immer das Rechte, er erinnerte, damit nichts versäumt würde, er hielt nicht zurück, wenn er etwas Ungehöriges gewahrte; eine Genugthuung für vermeintliche Zurücksetzung darin zu sehen, dass Verlegenheiten herbeigeführt würden, war er zu edel. Wie freund- lich verkehrte er mit seinen jüngeren Collegen! Wie hingen Aller Blicke an ihm, wenn der rüstige Greis jugendfrisch und heiter in den Kreis der Lehrer trat! War ein erkrankter Amtsgenosse zu ver- treten, so bot er sich stets freiwillig zur Hülfe an, und was ihm zugemuthet werden musste, war ihm nie genug. Ein energischer Wille zwang bei ihm Leib und Seele zu strengem Dienste, und Ordnung und Sparsamkeit im flaushalt seiner Kräfte liessen ihn stets reich an solchen erscheinen. Für seine Schü- ler hatte er ein warmes Herz, er hatte in ihnen stets den ganzen Menschen und das nach seiner Art denkende und fühlende, der Veredlung fähige und bedürftige Wesen vor Augen. Seine Ansichten über Erziehung und Unterricht sind niedergelegt in einem Werke, dem er die schönsten Jahre seines Lebens gewidmet hat und welches zu Halle unter dem TitelVersuch einer Einrichtung der Schulen aus dem Gesichtspunkte des Lebens im Staate in vier Bänden von 1831 1842 erschienen ist. Diejenigen, welche Spezielleres über das Leben und die wissenschaftlichen Bestrebungen des theuren Mannes erfah- ren wollen, verweise ich auf die Lebensbeschreibung des Verewigten, welche vom Archidiaconus Tschirch verfasst und in dem 438ten Bande des Lausitzer Magazins abgedruckt ist.

In das Prorectorat ist vom Magistrate als Patrone des Gymnasiums der bisherige Oberlehrer am Gymnasium zu Prenzlow Dr. Fischer berufen worden.

Der Cand. prob. Glöckner, dem die Verwaltung einer Lehrerstelle commissarisch übertragen worden war, erkrankte vor dem Anfang des Sommersemesters so schwer, dass er seine Thätigkeit nicht wieder aufnehmen konnte, sondern das ganze Semester hindurch in der von mir dem Königl. Schulcol- legium vorgeschlagenen und von Diesem gebilligten Weise von den Amtsgenossen vertreten werden musste.

Der Cantor Fleischer, welcher den Gesangunterricht geleitet hatte, folgte am 1. Juli einem Rufe an das Gymnasium zu Lissa. Der Turnlehrer Müller übernahm die Leitung der Gesangübungen bis zum Schluss des Semesters. Seit Michaeli 1866 ist der Cantor Köllner als Gesanglehrer tbätig.

Ausser dem Cand. Glöckner sind noch zwei Lehrer auf längere Zeit von Krankheit heimge- sucht worden. Der Lehrer der Vorschule Born erkrankte am 5. September und der Turnlehrer Mül- ler übernahm mit dankenswerther Bereitwilligkeit den gesammten Unterricht in der zweiten Vorschul- classe bis zu Born's Wiedereintrift, der am Anfange des Wintersemesters erfolgte. Der Schulamts- candidat Dr. Köhn ist am 7. Febrnar erkrankt und hat bis jetzt nicht unterrichten können. Seine Ver- tretung macht einige Schwierigkeit, zumal da der Cand. Dr. Kerber im Anfang des Jahres auch abbe- rufen worden war, doch ist sie ohne Schaden für den Unterricht glücklich durchgeführt worden.

Vertheilung der Lehrstunden unter die Lehrer umstehend.