20
So iſt denn auch von dieſer Seite den Schuͤlern wieder ein Weg zu viel— ſeitiger Ausbildung geoͤffnet; ſie erhalten dadurch immer mehr Gelegenheit, ihre Neigungen und Kraͤfte zur Wahl ihres kuͤnftigen Lebensberufes reichlich zu pruͤ— fen, um ſich nicht, wie dies leider jetzt ſo oft ſtatt findet, zu einem Fache zu beſtimmen, welches ihnen bei dem ſo großen Andrange von Studirenden oft geringe Ausſichten auf die Zukunft eroͤffnet. Moͤge daher auch dieſe Unterrichts— ſtunde in der Folge die verdiente Beruͤckſichtigung finden.
Muͤller.
Die in dem vorigen Programm verſuchte Mittheilung einiger Muſterarbei⸗ ten unſerer Schuͤler iſt mit ſo viel Nachſicht und Beifall aufgenommen worden, daß ich kein Bedenken trage, auch kuͤnftig von Zeit zu Zeit Aehnliches mitzu⸗ theilen. Zwar ſollte hiervon keine Gattung derjenigen Arbeiten ausgenommen werden, die uͤber den Bedarf des alltaͤglichen Lebens ſich erhebend in Schrift und Zeichnung ausgefuͤhrt werden koͤnnen. Doch wird man es nicht auffallend finden, wenn poetiſche Arbeiten am haͤufigſten erſcheinen, da Gegenſtaͤnde der philologiſchen, hiſtoriſchen und mathematiſchen Forſchung, wie ſie in den halb⸗ jaͤhrlichen Arbeiten der Lehrer mitgetheilt werden, den Raum eines Programms meiſt uͤberſchreiten wuͤrden, die oratopiſche Schreibart aber aus den oͤffentlich ge⸗ haltenen Reden beurtheilt werden kann.*)
*) Herder haͤlt fuͤr die ſchoͤnſten Schuluͤbungen Ueberſetzungen, die mit den Schrift⸗ ſtellern in der urſprache wetteifern, die ihren Geiſt, ihre Form von Ge⸗ danken und Schreibart ſo edel, ſo rein und ſchoͤn auszudruͤcken ſtreben, als es die Sprache nur erlaubt, unter der Vorausſetzung jedoch,:daß dieſe Ue⸗ bungen mit allem Fleiß und Trieb der Seele, mit Luſt und Liebe, mit vor⸗ hergehenden Kenntniſſen beider Sprachen und Voͤlker und mit nachfolgenden tuͤchtigen Verbeſſerungen geſchehen, um wahrhaft liberal zu werden und nicht gezwungenes Exercitien⸗ und Knabenwerk zu bleiben. Er ermahnte nach⸗ dräcklich zu ſolchen Arbeiten die Gymnaſiaſten in Weimar, konnte aber keinen bedeutenden Erfolg hoffen, da ſich im Gymnaſium zu Weimar i. J. 1782 un⸗ ter den Schuͤlern kaum ſo viele Liebhaber des Griechiſchen fanden, als ehedem Muſen waren. Gluͤcklicher Weiſe gehoͤren jetzt ſolche Arbeiten auf guten Gym⸗ naſien zu den gewoͤhnlichen Leiſtungen.


