Aufsatz 
Die Einfälle der Normänner in Teutschland : eine historische Abhandlung / Georg Lauteschläger
Entstehung
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man nicht Geſetze und Vorſchriften zu beobachten hätte, und eben deshalb muß die Jugend früh an den unbedingten Gehorſam gegen das Geſetz ge wöhnt und nöthigen Falls mit Gewalt dazu gezwungen werden, da denſelben Gehorſam auch das Leben in jeder Lage in Anſpruch nehmen wird, wie denn ſchon die Alten richtig bemerkt haben, daß nur der, welcher in der Jugend gehorchen gelernt hat, einſt geſchickt werden kann, mit Erfolg zu gebieten. Weichliche Nachgiebigkeit wäre hier Verrath an den beſten Lebenshoffnungen der Zöglinge. Mit dem Gehorſam gegen das Geſetz iſt auf's innigſte ver⸗ bunden der Gehorſam gegen die Vorgeſetzten, die als Urheber und Hand⸗ aber der Geſetze wirken. Es iſt darum nicht Eitelkeit und Berrichſucht⸗ haüsren nothwendige Bedingung aller Disciplin und alles Gedeihens, zu fordern, daß der Schüler dem Lehrer Gehorſam leiſte und weder durch Worte, noch durch Geberden und Handlungen die ihm ſchuldige Ehrerbietung aus den Augen ſetze; aber gewiß wird auch dieſe in den meiſten Fällen um ſo eher erreicht werden, je mehr ſie ſich auf perſoͤnliches Verdienſt des Lehrers und eſchickte Behandlung der Jugend gründet, und je weniger ſie zu ihrer Aufrecht⸗ haleung des Zwanges abſichtlicher Anordnungen und außerordentlicher Maßregeln bedarf. Freilich bleiben für einzelne Fälle Strafen nothwendig, welche als⸗ dann am wirkſamſten ſich zeigen, wenn ſie zwar ſtreng ſind, aber mit ruhiger Faſſung und mit ſanftem Bedauern ohne gereizte Empfindlichkeit und leiden⸗ ſchaftliche Hitze und ohne ceremoniöſe Feierlichkeiten verhängt werden. Eben hierin liegt die in dem Gebiete der Erziehung ſo nothwendige Verbindung der Strenge mit der Güte, welche allein vor der Zügelloſigkeit der Liberti⸗ aa⸗ wie vor der Bozheit der Servilität bewahrt. Aber, möchte man ſagen, auf dieſe Weiſe wird weniger Eclat gemacht! Nun, vielleicht iſt das zu verſchmerzen, wenn es zur Beſſerung der Geſinnung wirkt, das donnernde uos ego! für die Fälle zu verſparen, in denen empörende Rohheit das Ge⸗ ühl entrüſten und zur Schleuderung eines flammenden Donnerkeils veran⸗ laſſen könnte; und die öffentliche Theilnahme mehr für die Gediegenheit öherer Leiſtungen, als für einzelne, durch die geſchäftige Fama vernnſtaltete orfälle zu gewinnen. Wir würden ſonſt in ſolchem Falle mit dem klugen Sicilier denken: Nage xœu tμᷣœ dνονν ισνοωάα dντ³ς‿ 1er‿εv.

Um nun auf Geiſt und Gemüth der Zöglinge mit glücklichem Erfolg einzuwirken, iſt es vor Allem nothwendig, die jedem Individuum eigenthüm⸗ lichen Anlagen, Neigungen und Gefinnungen möglichſt genau kennen zu lernen. Da aber die pſpchologiſche Semiotik noch täuſchender iſt, als die medicini⸗ ſche, ſo bedarf es, um zu gewiſſen Reſultaten in derſelben zu gelangen, der ſorgfältigen, lange fortgeſetzten und auch das Kleine und Unſcheinbare nicht überſehenden Beobachtung. Alle dieſer Beobachtung im Laufe eines Semeſters

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