12
bei den nordiſchen Völkern oder umgekehrt; war das erſte der Fall, ſo mußte allerdings die vertriebene Jugend ihre Zuflucht zu dem Piratenleben nehmen; im letzten Falle war es eine gute Gelegenheit, von der überflüſſigen Menge befreit zu werden. Entweder war es die Veranlaſſung oder eine Folge der Seeräuberei 2⁵). Montesquien und Hume ſcheinen zu viel Gewicht darauf zu legen, daß die Einfälle der Normänner eine Folge der Eroberungen Karls des Großen geweſen ſeyen, gleichſam eine Rückwirkung derſelben, eine Be⸗ friedigung des Haſſes und der Rachſucht; ſie mögen dadurch wohl befördert, aber nicht veranlaßt worden ſeyn 20). Daß Polygamie der Grund der Uebervölkerung im Norden geweſen ſey, iſt eine Idee, die zuerſt zwei Geiſtliche in der Normandie(Geſchichtſchreiber der Normänner in Frankreich) äußer⸗ ten, Dudon, Dechant zu St. Quentin im zehnten Jahrhundert und Gui⸗ lelmus, Benedictinermönch von Gemeticum(Jumieges), im zwölften Jahr⸗ hundert. Andere ſprachen ſie ihnen nach 27).
Ein nicht zu überſehender Umſtand, der die Seezüge der Normänner im neunten Jahrhundert vorzüglich beförderte, war die Stiftung der Monarchien in Dänemark und Norwegen durch Gorm den Alten(855) und Harald Har⸗ fager(Schönhaar)(875). Diejenigen, welche bisher die Gleichen dieſer Für⸗ ſten geweſen, Männer, die theils eben auch Fürſten geweſen, theils als Söhne und Enkel von Fürſten und Helden, welche ihren Urſprung wohl von den Göttern herrechneten, haßten die Herrſchaft eines Einzigen über Alle und ver⸗
von einer kleinen Inſel an.(Hist. Longob. I. I. c. 2). Depping. T. I. p. 19. T. II. p. 267. Capefigue, Essai sur les invasions maritimes des Normands dans les Gaules. Par. 1823. p. 9. 364.
25) Hallam, Europa im Mittelalter uͤberſ. v. Halem. Bd. 2. S. 156. Bd. 1. S. 21.
26) Montesquien sur la grand. et la decad. des Romains. c. 16. Lettr. Pers. No. 112. Hume, Engliſche Geſch. 18 Kap.
27) Suhm, Geſch. d. Daͤnen. B. I, 2. S. 379.


