Aufsatz 
Der Vogel Phönix : ein angelsächsisches Gedicht / stabreimend übers. von C. W. M. Grein
Entstehung
Einzelbild herunterladen

145.

150.

160.

170.

10

die flugschnellen Federn. Der Vogel schweigt.

Zwölfmal zeigt er die Zeit stets an

bei Tag und Nacht. So geteuert ist

der Baumbegänger, daſz er gebrauchen darf

des Wonnefelds nach Wunsch und Wolstand geniefzen,

des Lebens Freuden, des Landes Schätze,

bis in dieser Welt Leben der Winter tausend

des Waldhaines Wüächter gewartet hat:

dann ist lebensmüde der lichtbuntgefiederte,

der bejarte greise. Die grüne Heimat

. flieht dann der Vögel Wonne,*) das Feld voll Blumen,

und fliegt von dannen zu einem fernen Reiche

des Mittelkreifzes, wo Mrenschen nicht bewonen Haus und Heimat. Herschaft da

empfängt als Fürst er über der Vögel Schaaren gewaltig in dem Volke, und eine Weile mit im bewonen sie die Wüste. Doch weiter dann wendet er nach Westen sich, so viele Winter alt, zu entfliegen federschnell. Die Vögel dringen aufzen um den Edelen: eifrig dienen

will hold dem hohen Herrn ein jeder,

bis dafz er suchet der Syrer Land

mit der Gefolge gröstem. Dann ſort von sich treibt er scharf sie alle, dafz er im Schatten wone an einem wüsten Ort zwischen Waldes Bäumen: der ist behütet und verholen der Helden manchem.

Einen hohen Baum im Gehölz allda

bewont er wachsam einen wurzelfesten

*) der Vögel Wonne bezeichnet den Phönix, wie v. 290 die Sonne der Edelsterne Wonne heifzt; es ist gleich- bedeutend mit: der wonnigste unter....