Aufsatz 
Die Strauch- und Blattflechten von Hessen, besonders von Rheinhessen : Ein Beitrag zur Flechtenflora / von Wilhelm Bremme
Entstehung
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ſich zuletzt nur an der Spitze durch eine enge Pore oder gar nicht. Erſteres Gehäuſe heißt offen(excipulum apertum), letzteres ge⸗ ſchloſſen(excipulum clausum). Ebenſo unterſcheidet man hier⸗ nach offene und geſchloſſene Apothezien. Flechten mit offenen Apothezien heißen nacktfrüchtig(lichenes gymnocarpi), die mit geſchloſſenen Apothezien Kernflechten(lichenes angiocarpi). Die offenen Gehäuſe ſind bald ſchild⸗, ſcheiben⸗, ſchüſſel⸗, teller⸗ oder becherförmig und heißen, wenn ſie lecanoriniſch ſind, scutellae, wenn ſie aber lecidiniſch ſind, patellae. Die kugelig geſchloſſenen Apothezien werden Warzen(apothecia verrucaeformia v. pyrenodea) genannt.

Der Fruchtkörper bildet in dem offenen Fruchtgehäuſe eine dünne, flach ausgebreitete Schicht, die eigentliche Fruchtſcheibe (discus v. lamina sporigera), in dem geſchloſſenen Gehäuſe dagegen einen rundlichen Fruchtkern(nucleus). Die Fruchtſcheibe ſowie der Fruchtkern ſind von einer gelatinöſen Maſſe ausgefüllt, in welcher zwiſchen den Paraphyſen, d. h. zwiſchen dicht gedrängten, fadenförmigen Organen mit verdickten farbigen Spitzen die Sporen führenden Schläuche bei erſterer Fruchtart parallel, bei letzterer konvergierend gelagert ſind. Die Schläuche(asci) enthalten ge⸗ wöhnlich acht Sporen(z. B. bei Tornabenia, Physcia, Am- philoma) oder weniger(bei Menegazzia) oder mehr als acht Sporen(Candelaria). Der Form nach ſind die Schläuche cylindriſch oder keulenförmig oder ſackförmig, ſeltner kugelig und am untern Ende mehr oder weniger zugeſpitzt. Auch die Form der Sporen iſt ſehr mannigfaltig und für die einzelnen Arten ſowie auch manchmal für die Gattungen charakteriſtiſch. Es giebt ein⸗, zwei⸗, drei⸗, vier⸗ bis vielzellige Sporen, eiförmige, elliptiſche, walzen⸗, nadel⸗, ſpindel⸗, ſichelförmige, farbloſe und gefärbte Sporen.

Die Spermogonien.

Die Spermogonien ſind den Früchten der Kernflechten ganz ähnliche Gebilde und wie dieſe warzenförmig und ſchließlich an der Spitze durchbohrt. Im Innern derſelben werden an einfachen fadenförmigen oder äſtig geteilten und manchmal gegliederten Stielen, den ſogen. Sterigmen, durch Abſchnürung verſchieden ge⸗ ſtaltete Zellen erzeugt, die Spermatien, welchen eine befruchtende Thätigkeit zugeſchrieben wird. Kommen daher Apothezien und Spermogonien auf ein und demſelben Thallus vor, ſo nennt man die Flechten einhäuſig; kommen dagegen die Spermogonien auf einem beſondern, nicht Apothezien tragenden Thallus vor, während ein anderer nur Apothezien trägt, ſo heißen die Flechten zweihäuſig oder diöciſch. Die Spermogonien wurden zuerſt von Tulasne 1855