Aufsatz 
Der Schulgarten der höheren Mädchenschule zu Giessen
Entstehung
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Etiquettierung der im freien Lande befindlichen Pflanzen. Die Etiquetten müssen leicht zu sehen und zum Lesen gut zu er- reichen sein, dabei dauerhaft in Material und Schrift. Unsere Etiquetten bestehen aus viereckigen starken Zinkblechen in drei verschiedenen Grössen(I. 14 cm lang, 7,5 em breit, II. 11,5 cm lang, 6 em breit, III. 10 cm lang, 5,5 em breit) und tragen auf weissem Grunde in schwarzer Schrift den Namen der Pflanze nebst Autor. Diese Bleche sind geneigt auf einen unten zuge- spitzten und angestrichenen Holzstab haltbar befestigt; so er- scheint Zweckdienlichkeit und Haltbarkeit am besten mit einander verbunden. Bei den Bäumen und Sträuchern ist das Anheften der Etiquetten mit geglühtem Draht bewerkstelligt.

Das für die Pflanzen stets nötige Begiesswasser wird dem Schoorgraben entnommen, der an dem Garten hinter dem Gebüsch- beet vorbeifliesst, und hoffen wir in diesem Jahre einen Überflur- hydranten in den Schulgarten zu erhalten, der die leichte Füllung und Nachfüllung des Basins und Moorbeets ermöglicht.

Die zweckmässige Anzucht des für den botanischen Unter- richt notwendigen Materials erfordert Erfahrungen, die man sieh nur in praktisch-gärtnerischer Selbstthätigkeit ancignen kann. Ge- naues Beobachten der Pflanzen in der Natur in ihrem Verhältnis zu ihrer Umgebung, gründliches Erforschen der Beschaffenheit des Standortes und der Bestandteile des Bodens, der Einflüsse von Regen und Sonnenschein, von Wind und Wetter, von Licht und Schatten auf die Pflanzen, alles dies ist unerlässlich, wenn man die- selben für längere Zeit oder dauernd im Garten erhalten und kultivieren will. Vorzügliche Anweisungen findet man inEsser, das Pflanzenmaterial für den botanischen Unterricht.

Im Folgenden will ich versuchen, ein möglichst vollständiges Verzeichnis der in unserem Schulgarten angepflanzten Species auf- zustellen, wenigstens von allen denjenigen, die im Laufe des ver- flossenen Jahres während ihrer verschiedenen Lebensphasen sorg- fältig von mir beobachtet wurden. Es wird dies wohl insofern von besonderem Interesse sein, als daraus hervorgeht, in welch hohem Masse man ausser den bekanntesten Küchen- und Nutz- pflanzen trotz eines bescheidenen zur Verfügung stehenden Raumes auch die herrliche wildwachsende Flora der nächsten Umgebung heranziehen kann, dass es also möglich ist, selbst auf einem kleinen Raum in Form von Lebensgemeinschaften, ein reichhaltiges Pflanzenmaterial dem botanischen Unterrichte dienstbar zu machen.