In der Kirche.
Dumpf von des Thurmes Hoͤh'n das heilge Erz ertoͤnt; Zum Schloſſe fuͤhrt ſein Ruf. Dem Schickſal nicht verſoͤhnet In feierlichem Zug die fromme Menge wallt;
Der Donner ehr'ner Schluͤnd' im Aether wiederhallt. Zwoͤlf Buͤrger, ausgewaͤhlt zum letzten Dienſt der Liebe, Die Seine Jugend ſah'n in hoffnungsvollem Triebe, Sie tragen muühſam Ihn zu Seiner Vaͤter Gruft,
In ihrer Arme Wieg', umweht von Moderduft.
Der Muͤtter zart' Gefuͤhl entlocket heiße Thraͤnen,
Und ihrer Augen Blick bezeugt des Herzens Sehnen. O daß die Nachwelt noch gedenk' in ſpaͤter Zeit,
Wie unſren Fuͤrſten wir der Himmelsruh' geweiht;
Daß unſre Enkel noch Ihm eine Zaͤhre weinen,
Und Treu und Biederkeit ſie ihren Vaͤtern einen!
Der Tempel oͤffnet ſich, und von dem Trauerwerke Erhebt der ſtille Ort den Geiſt zu neuer Staͤrke. Und heil'ge Sammlung gießt ſich ſanft in jedes Herz; Sie ſteigt in Trauerſang zur Gottheit himmelwaͤrts:
Des Grabes Schooß iſt tief und ſtille, Des Menſchen letzter Gang ſein Rand; Es decket ſeine ſchwarze Huͤlle
Ein unbekanntes Geiſterland.
O ſanfte Ruh', die ich erfehne, In dieſem Leben weilſt du nicht. Das Gluͤck, das ich zu haſchen waͤhne, Schwebt in des Todes Angeſicht.
Es wankt der Menſch durch Sorg' und Plage, Durch manchen Sturm dem Grabe zu;
Erſt an der Grenze ſeiner Tage
Gibt ihm die Gruft des Himmels Ruh.


