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Die ästhetischen Hauptlehren von Rutgers Marshall / von Georg Laufersweiler
Entstehung
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Permanenz der Lustwirkung. Dabei sind verschiedene Wege möglich.

Die Permanenz der ästhetischen Wirkung.

Im Hinblick auf die uns bereits bekannte Tatsache, dass Lust und Unlust Zustände der Elemente des geistigen Lebens widerspiegeln, werden wir uns zuerst von dem Bestreben leiten lassen, möglichst viel lustvolle Elemente zusammenzufassen, wobei jedoch am besten die gewählt werden, deren Lustwirkung minder stark ist, da bekannter- massen diejenigen mit hoher Lustqualität diese am schnellsten verlieren. Eine solche Summierung von Reizen 1 ) rindet bei jedem ästhetischen Genuss statt. Beständig werden die Beize der Farben, Linien und Formen zu einem lebhaften Gesamteindruck addiert 2 ). Es ergibt sich somit für den Künstler die Grundforderung, bei dem ästhetisch Geniessenden eine gewisse Weite des Lustfeldes insofern zu begünstigen, als er sich bemüht, möglichst viel lustvolle Elemente zu erzeugen, vielleicht Beize für Auge und Ohr zur gleichen Zeit hervorzubringen, der Assoziation mit Beizen, die nicht direkt von dem geschauten Objekt ausgehen, behilflich zu sein und bei seiner Produktion noch soviel Baum zu lassen, als nötig erscheint, um das Recht der freien Betätigung unserer Phantasie nicht einzuschränken.

Weiterhin finden wir, dass wir eine relative Permanenz der ästhetischen Wirkung erreichen können, wenn es uns gelingt, die Tätigkeit der lustvollen Elemente zu hemmen, ehe ihre Lustqualität abnimmt oder gar

1) Ueber diesesummation of pleasures" vgl. II, S. 23 ff.

2) Fcchnors Prinzip der Ästhetisches Hilfe oder Steigerung besagt noch etwas mehr:Aus dem widcrspruchloscn Zusammentreffen von Lust­bedingungen , die für sich wenig leisten, geht ein grösseres, oft viel grösseres Lustresultat hervor, als dem Lustwcrto der einzelnen Be­dingungen für sich entspricht, ein grösseres, als dass es als Summe der Einzelwirkungcn erklärt werden könnte; ja es kann selbst durch ein Zusammentreffen dieser Art ein positives Lustergebnis erzielt, die Schwelle der Lust überstiegen werden, wo die einzelnen Faktoren zu schwach dazu sind; nur dass sie vergleichsweise mit anderen einen Vorteil der Wohl­gefälligkeit spüren lassen müssen," Fcchncr, Vorschulo der Aesthotik I, S. 51,