Die Schulversager
Etwa 30 bis 33 Prozent unserer Schüler erreichen das Ziel der Schule nicht. Sie gehen an die Volks- oder Mit- telschule zurück oder treten in Berufsfachschulen und in praktische Berufe ein. Die Sorge für diese Schüler ist eine wichtige Aufgabe der Gymnasien. Es gilt ja nicht, die Kinder für ihre„Dummheit“ zu bestrafen, sondern sie der Schule zuzuführen, für die sie geeignet sind. Meist liegt das Versagen in den Fremdsprachen, vor allem in der zweiten Fremdsprache, Latein, und in der dritten Fremdsprache, Französisch. In diesem Falle wird ein UÜbergang an die Mittelschule sehr wahrschein- lich von Erfolg begleitet sein, denn dort fallen die bei- den Fremdsprachen fort. Die Anstalt bemüht sich des-
halb, in enger Zusammenarbeit mit der Mittelschule diesen UÜbergang so zu lösen, daß ein Schod für die Kinder vermieden wird. Es ist sehr erfreulich, daß zum großen Teil der Ubergang für die Kinder erfolgreich verlaufen ist.
Umgekehrt steht auch das Gymnasium allen be-— gabten Schülern der Mittelschule offen, wenn sich im Laufe ihrer Schulzeit herausstellt, daß sie begabt genug und gewillt sind, die Reifeprüfung abzulegen. Allerdings sollte der Wechsel nicht später als in der Quarta vor-— genommen werden, weil sonst die Nachholschwierig- keiten zu groß werden.
DIE KONZENTRATION DER FACHER
Die Kritik an den Gymnasien richtet sich in erster Linie gegen die UÜberbürdung der Schüler mit zu viel Fächern, zu viel Stunden, zu viel Stoff. Der Versuch, eine neue Form der Höheren Schule zu entwickeln, muß unter allen Umständen die UÜberwindung dieser Mängel in die Planung einbeziehen. In den neuen hessischen Bildungsplänen sind deshalb die Stoffpläne der ein- zelnen Fächer erheblich beschnitten worden. Die Stun- denzahlen sind— wenn auch nicht in dem gewünschten Umfange— zurückgegangen. Die Verminderung der Fä- cher soll durch stärkere Konzentration erreicht werden.
Diese„Konzentration der Fächer“ ergibt sich aus der Möglichkeit, Gruppen von Fächern zu Bereichen zusammenzufassen, so z. B. die Fächer Physik, Chemie, Biologie als Naturwissenschaften, Geschichte, Erdkun- de, Sozialkunde als Gesellschaftswissenschaften, Musik— und Kunsterziehung als musische Bächer. Es ist nicht notwendig, jedes dieser Fächer in jedem Jahr zu geben. Notwendig ist nur, daß in mindestens einem Pach der Gruppe während eines Schuljahres unterrichtet wird.
Eine solche Konzentration der Fächer innerhalb der oben erwähnten Fachgruppen führt dazu, daß die ein- zelnen Fächer nicht mehr wie bisher mit nur einer oder zwei Stunden in der Woche vertreten sind. Gerade diese Ein- und Zweistundenfächer sind es, die den Unter- richt unbefriedigend machen. Sie werden durch einen Unterrichtsausfall stark betroffen, es ist nicht möglich, die Schüler genügend kennenzulernen und zu beur- teilen. Bei einer Konzentration der Fächer wird die Stundenzahl erheblich erhöht.
Das Gymnasium Dillenburg hat die Konsequenzen aus dieser UÜberlegung gezogen und die Konzentration der Fächer in eindeutiger Form durchgeführt. Aus den folgenden Tabellen ist ersichtlich, wie dies geschieht.
Naturuwissenschaften:
Neusprachl. Zweig Math.-Naturw. Zw.
Klasse 8 9 10 11 12 13 11 12 13
unnn h n ö Ol OIIl UI Ol Physik—= 4= 3— 3 3 Chemie— 4— 3— 3 3— Biologie 4=—==—= 3 3 3
In der Naturwissenschaft wechseln die Fächer Physik, Chemie und Biologie auf der Mittelstufe derart, daß jedes Fach mit vier Wochenstunden ein Jahr lang als
Grundkursus gegeben wird. Auf dem Neusprachlichen Gymnasium stehen für den Oberkursus jedem Fach drei Wochenstunden in einem Oberstufenjahr zur Ver- fügung. In der mathematisch-naturwissenschaftlichen Abteilung verdoppelt sich die Anzahl der Stunden, so daß in jedem Jahr zwei naturwissenschaftliche Fächer mit je drei Wochenstunden unterrichtet werden.
Gesellschaftswissenschaften:
Neusprachl. Zweig Math.-Naturw. Zw.
Klasse 8 0 10 11 12 13 11 12 13
rilll Olll dull Oll Ul Ol Oll UI Ol Geschichte 4 3— 2 1— 2 4 Sozialkunde„= 3 2 4 2 1— Erdkunde 4—= 3—— 3——
Ahnlich ist es, wie sich aus der obenstehenden UÜber- sicht ergibt, in den Gesellschaftswissenschaften, aller-— dings mit dem Unterschied, daß Geschichte und Sozial- kunde je einen zweijährigen Grund- und Oberkursus haben, während Brdkunde einen vierstündigen Grund- kursus und einen dreistündigen Oberkursus besitzt.
Musische Fächer:
Neusprachl. Zweig Math.-Naturw. Zw.
Klasse 8 9 10 11 12 13 11 12 13 um i i oll üu Ol
Kunsterziehung= 3— 3/ 2. 3 2
Musik— 3=— 3 3=
Die musischen Fächer wechseln mit je drei Stunden bis zur Unterprima. Auf der Oberprima steht es dem Schüler frei, sich für eines der beiden musischen Fächer. das dann mit zwei Wochenstunden unterrichtet wird, zu entscheiden.
Die Erfahrungen, die mit dieser Konzentration der Fächer bisher gemacht worden sind, beweisen, daß eine solche„Epochalisierung“ sehr gut durchzuführen ist. Der Unterricht kann erheblich ruhiger und sorgfältigei gegeben werden, die Fächer gewinnen an Gewicht, die Neigungen und Begabungen der Schüler treten stärken hervor. Dem Fachlehrer ist es möglich, die Kinder bes- ser zu beurteilen. Schriftliche Arbeiten, die bisher wegen der geringen Stundenzahl nicht geschrieben werden konnten, werden jetzt in den Unterricht einge- baut, so daß das Fach nach jeder Richtung hin besser betrieben werden kann.
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