werden sagen: Schön, aber was soll das? Das soll heißen, daß mir das ja eigentlich alles ganz egal sein könnte. Sie können mich also kaum wegen Befangenheit ablehnen! Ich benötige weder Amt noch Amtchen, daß ich mich für dieses Thema interessieren müßte.
Da hätten wir schon einen ganz wichtigen Punkt: das Döstchen. Sie haben vollkommen recht: Das ist doch wirklich nicht die Hauptsache! Und deshalb wollen wir auch lieber nicht Mitverwaltung, sondern Mit- verantwortung sagen, denn das erste ist ohne das zweite überhaupt nicht diskutabel! Früher habe ich auch immer gedacht: Wir müssen organisieren! Wir müssen zeigen, daß man uns ernst nehmen kann! Wenn wir dieses oder jenes in die Hand nehmen, dann klappt es sicher viel besser! Ja, ja, klappen soll es auch. Aber doch nicht deshalb! Die Schule ist kein Staat mit Behördenapparat und allem Drum und Dran. Die Schule soll Bildung vermitteln, und Bildung besteht wahrhaftig nicht nur aus theoretischem Wissen und schon gar nicht darin, daß man organisieren gelernt hat. Aber— und jetzt kommt der springende Punkt!— zur Bildung gehört sicher nicht zuletzt, daß man gelernt hat, was Verantwortung für den Nächsten, was Rück-
Vier Jahre Funzel
Vor etwa vier Jahren, im Dezember 1953, beschlos- sen die Schülermitverwaltungen der drei Dillenburger Schulen, die Kreisberufsschule, das Gymnasium und die Mittelschule, eine Schülerzeitung zu gründen. Sie erhielt den Namen„Die Funzel— Gemeinschaftszei- tung der Dillkreisschulen“. Zum ersten Chefredakteur wählten die zur Gründungsversammlung erschienenen Schüler Helmut Metzger von der Kreisberufsschule. Die bisherige Schülerzeitung des Gymnasiums„Kamerad Tier“ wurde von der Bunzel übernommen.
Wie jede andere Schülerzeitung soll die Funzel eine Zeitung sein, die von Jugendlichen für Jugendliche ge- schrieben und herausgegeben wird. Die Funzel ist innerhalb der Schulen das Gleiche was die Presse im Staat ist. Sie soll eine echte Aussage der Schüler und ein geistiger und kultureller Ausdruck des Schullebens sein. Aber nicht nur das. Eine weitere Aufgabe der Ge- meinschaftszeitung ist es, die Gemeinschaft der Schü-— ler und darüberhinaus das Zusammenarbeiten der be- teiligten Schulen zu fördern. Dies sind die Grundziele aller Schülerzeitungen und auch die der„Funzel“. In den verflossenen Jahren ist es ihr zum größten Teil ge— lungen, die gesteckten Ziele zu erreichen.
Nun sind bereits vier Jahre vergangen. In dieser verhältnismäßig kurzen Zeit entwickelte sich die„Fun- zel“ mit einer Auflage von fast 2 000 Exemplaren zur größten Schülerzeitung des Lahn-Dill-Gebietes. Im Jahre 1954 wurde die Funzel in die Landesarbeitsge- meinschaft der jugendeigenen Zeitungen Hessens(JDH) aufgenommen. Drei Jahr später, im September 1957, beteiligte sich auch das neu errichtete Johanneum-
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sichtnahme, was Hilfsbereitschaft, Wahrheitsliebe und vieles mehr bedeutet. Und glauben Sie nicht, daß man diese Eigenschaften ganz besonders fördern sollte und daß hier auch eine praktische Betätigung in der Schul- gemeinschaft wirklich angebracht ist? Meinen Sie nicht auch, daß man auf diesem Wege eine ganze Menge leisten könnte?
Sehen Sie, wenn Sie mit mir in der Anerkennung dieses Ideals einig gehen, dann bin ich auch bereit, das Bestehende und in der Tat wenig Ideale mit Ihnen gemeinsam zu kritisieren. Ehrlich gesagt, von diesen Tagungen auf Bezirks-, Landes- und gar Bundesebene halte ich beispielsweise überhaupt nichts. Mir kommt es vielmehr auf die große Schulgemeinschaft an, die meiner Erfahrung nach von solchen Tagungen wenig oder nichts profitiert hat. Es ist viel wichtiger, möglichst viele von der Notwendigkeit der Mitverantwortung des Schülers zu überzeugen, und überzeugen kann man nur durch Taten! Das kann natürlich nicht alles von ein paar einsamen Managern gemacht werden. Unserem Ideal kommen wir nur näher, wenn alle mitarbeiten! Dann wird es auch nicht zuviel für die wenigen Idea- listen, die sich da immer noch alleine herumschlagen.
Gymnasium in Herborn an der„Punzel“. Somit ist die Zahl der beteiligten Schulen auf vier angestiegen. Seit der Gründung im Dezember 1953 wechselte sechsmal die Redaktionsleitung. Helmut Metzger leitete die Fun- zel 4 Monate, Wilfried Herget 1 Jahr, Hans Heinrich Kocker 7 Monate, Roger Zätsch 8 Monate, Hartmut Thevenot 6 Monate und Wolfgang Reinschmidt eben- falls 6 Monate. Durch den häufigen Wechsel der Chef- redakteure erlitt die„Funzel“ einige Rückschläge, aber man darf nie vergessen, daß auch die Chefredakteure Schüler sind und daß auch bei ihnen der Unterricht im Vordergrund steht.
Höhepunkt eines Jahres bildet für den Funzelleser der schon zur Tradition gewordene Funzelpresseball im Kurhaus. Hier treffen sie sich alle, ob Lehrer, ob Gymnasiasten, ob Berufs- oder Mittelschüler. Dieser Ball trägt ebenfalls dazu bei, die Zusammenarbeit und die Gemeinschaft der Schüler und der Schulen zu ver- tiefen.
Vier Jahre leuchtet sie nun schon, die„Funzel“. Trotz ihrer Erfolge stößt sie immer wieder auf Schwie- rigkeiten, die hier nicht verschwiegen werden sollen. Die größten Sorgen bereitet der Funzel die Finanzie- rung. Deshalb war es der Redaktion auch nicht mehr möglich, den ehemaligen Schülern die Funzel kostenlos zuzusenden. Außer diesen Finanzsorgen hat sie noch viele andere Schwierigkeiten zu überwinden. Mit dem Einzug in das neue Gymnasium wird die Funzel ein eigenes Redaktionszimmer erhalten. Wir freuen uns sehr darüber, denn für uns beginnt dann erst das rich-— tige Arbeiten.


