Aufsatz 
Briefe eines Herborner Classicus [d.i. Johann Eberhard Schmidt] aus den Jahren 1605 und 1606 / Hrsg. v. A. Deißmann
Entstehung
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einen älteren, wemn auch noch ſo hervorragenden Geiſllihen allein gebunden, in uͤbler Lage; jn je bedeutender die Perſönlickeit iſt, der er zu einer Stidien⸗ und Lebensgemeinſchaft angeſchloſſen wird, um ſo wuchtiger alſo deren Ubergewicht iſt, umſo ſchwerer wird es dem Jünglinge, dem äſteren Manne gegenüber ſeiner Eigenart ſcch bewußt und getren zu bleiben. Unſer Seminar hat dagegen den großen Vorzun, daß Männer von verſchiedenem Alter und ſehr verſchiedener Art an und mit den Kandidaten arbeiten durften. Und nur einen von denſelben zu miſſen, wird uns ſchwer.

Mehr noch als für den Unterricht gilt dies fär das Leben. Die Kandidaten ſind in ihrem Verkehr, ſofern es ſich auf ihren eignen Kreis hezieht, doch weſenttich auf ihre Lehrer angewieſen; denn der Verkehr in Familien der Stadt hat allerlei Mißliches. Es iſt aber gar nicht etwas ſo ganz Leichtes ſür den älteren Mann, dieſer jängeren Männer nicht nur Lehrer, ſondern Freund zu ſein.

Darf ich einen Wunſch und eine Hoffuung in Bezug auf die Wahl meines Nachfolgers ausſprechen, ſo iſt es dieſe, man möge nicht wieder jemand aus dem Oſten nehmen. Mit mancherlei Mihtranen wird empfangen, wer aus den ſo ganz andersartigen Verhältniſſen des öſllicen Vaterlandes hierherkommt in einen Bezirl, der wenigſtens in kirchlicher Beziehung noch ganz eine Welt für ſich bildet und bilden will, der auch ein wohlbegründetes Intereſſe daran hat, ſeine berechligten Eigemtümlichkeiten nicht bloß geſchont, ſondern anerkannt und gepflegt zu ſehen. So leicht es mir im ganzen perſönlich geworden iſt, in die naſſauiſche Eigen⸗ aut mich hineinzuleben, ſo ſchwer war es doch, es dahin zu bringen, daß man das empfindet und glaubt. Noch vor zwei Jahren hütte ich mein hieſiges Aut nicht frohen Herzens auſgeben mögen; denn damals war nach nicht erreicht, was mir nun zu meiner Freude zugrſaleen iſt, daß ich den Kandidaten ein wirkliher Freund nicht nur bin, ſondern als ſolcher auch gelte. Jeder, der als Norddeutſcher hierheckommt das gilt gewiß noch für Jahrzehnte, wird mehrere Jahre brauchen, bis er ſoweit iſt; wer aher aus dem praktiſchen Amt und nicht von der Univerſttät