Aufsatz 
Briefe eines Herborner Classicus [d.i. Johann Eberhard Schmidt] aus den Jahren 1605 und 1606 / Hrsg. v. A. Deißmann
Entstehung
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überwiegt, daß die Zuhörer ſchlielich ein rechtes Verlangen haben, zur Selbſtthätigkeit zu kommen, iſt ſür das Seminar die Produktivität der Studierenden die gewieſene Unterrichtsform. Zuweilen aber erwies es ſich doch als notwendig, eigene Ge⸗ daukengänge einmal eiwas ausführlich darzulegen. Namentlich auf ſyſtemaatiſchem Gebiete hat ſich mit der Zeit ein ſolches Be⸗ dürfnis der Kandidaten herausgeſtelt. Man brachte dem Her⸗ borner Sentinar das Vorurteil entgegen, das auch jett noch nicht gauz ausgeſtorben ſſt, es ſei eineorthodore Preſſe. Unter ſolchen Unſländen blieb kaum etwas auderes Ubrig, als auf das gemiſſenhaſteſte jeden Schein zu vermeiden, als wolle man die jungen Leute nach der einen oder andern Züichtung hin zu einer Meinung preſſen, die nicht innerlich herausgewachſen war. Da⸗ 3 enece ſich unſere Disputationen über Themata aus tiſchen Theologie aufänglich nur auf Meinungs⸗ erh in welchem ich mich mit einer bloß ſormalen Leitung beguügte. Der Vorkeil jener Zeit war eine ſehr lebendige Be⸗ teilgung der meiſten Kandidaten, einige werden ja immer ſchweigſam ſein und auch dann kaum, wemn ſie gefragt werden,

aber ſchließlich trieb doch das Bedürfnis dazu, daß ich auch inhaltlich mehr eingegriffen habe, freilich niemals ſo, daß dies eine Preſſton hätte uben ſollen und können. Ube zeugungen müſſen ſich frei bilden.

Die ſyſtematiſchen Fächer paaten in der theoretiſchen Theologie naturgemäß in den Vordergrund. Wurde auch nicht mehr Dogmatit und Ethik in Vorlefungen vorgetragen, ſo halten wir auf der einen Seite doch die erwähnten, mehr oder weniger lebhaften Disputationen, die zum Teil noch lange in den Priunt⸗ geſprächen der Kandidaten nachgeklungen ſind, ferner ſeit dem Eintritt von Herrn Lie. Deißmann die Behandlung der Augs⸗ burgiſchen Konfeſſion. Alledings ſehlte anfänglich faſt vollſändig die Grundlage, die die ſyſtematiſce Thealogie wenigſtens nach ihrer formalen Seite nicht entbehren kann. Denn die Phil⸗ ſophie war der auf der Univerſtät nahezu am meiſten ver⸗ nachläſſigte Gegenſtand geweſen; in der Aufnahmeprüfung, die zu⸗ gleich Examen Pro lieentin eomeionauci iſt, war anfänglich

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