Aufsatz 
Landgraf Philipp von Hessen / Maximilian Hoffmann
Entstehung
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Landgraf Philipp von Hessen.

Das deutsche Reichsfürstenthum ist erwachsen auf Kosten der Reichseinheit und oft im Bunde mit der Feindschaft der römischen Hierarchie gegen die kaiserliche Macht; aber es erlangte die Rechtfertigung seiner Existenz, als im sechzehnten Jahrhundert der Kampf Deutschlands gegen die fremde Kirchenherrschaft sich energischer und aus tieferen Quellen als in früheren Jahrhunderten erhob. Damals schloss das Kaiserthum, statt sich an die Spitze der Nation zu stellen, seinen dauernden Bund mit der Hierarchie, die in der Reichsverfassung von Alters her eine bedeutsame Stellung hatte und, zugleich mit der Herrschaft über die Gewissen, auch das Recht der Besteuerung im ganzen Reiche in Anspruch nahm. Solchem Bunde gegenüber bedurfte die religiöse Befreiung, von der die Zukunft geistigen Lebens in Deutschland abhing, des Schutzes staatlicher Formen, so sehr auch die Reformatoren wünschten, dass die Wahrheit nur durch die Macht des Wortes siege. In der grossen Selbständigkeit der Territorial-Gewalten lag noch die Möglichkeit einer den nationalen Wünschen entsprechenden Gestaltung; die Haltung der Reichsfürsten war in erster Linie entscheidend nicht minder für die Ausbreitung und Gleichmässigkeit des Bekenntnisses, wie für die zukünftige Gestaltung der Reichs- verfassung.

In früheren Zeiten hatten die Fürsten oft, in Fehden unter sich und mit den nach Unabhängigkeit strebenden Städten, viel tüchtige Kraft dem Wohle des Reichs entzogen: im sechzehnten Jahrhundert erscheinen die Besten unter ihnen, auf friedliche Förderung ihrer Länder bedacht und den Städten freudig die Hand reichend, zur Vertheidigung ihres Glaubens entschlossen und doch treu zum Reich haltend, sobald dieses nur Duldung und Aussicht auf Frieden in Sachen der Religion gewährt, als die Träger der nationalen Entwickelung. Unter diesen Fürsten war keiner eifriger und muthiger, als Landgraf Philipp von Hessen; sein besonderes Verdienst war die Herstellung und Kräftigung eines umfassenden Bundes, welcher die Möglichkeit einer Neubildung des Reichs auf evangelischer Grund- lage in sich schloss. Als dieser Bund in der durch kaiserliche Politik lange verzögerten Waffen- entscheidung erlag, büsste Philipp die Schuld, die auch er an dem Misslingen trug, in harter Gefangenschaft. Dann aber ist es ihm noch vergönnt gewesen, eine Reihe von Jahren hindurch die Segnungen des Religionsfriedens fruchtbar zu machen durch einsichtige Verwaltung seines beschädigten Landes und durch fortgesetzte Bemühung um Frieden und Einigkeit unter den Glaubensgenossen. Die Zeiten der vollendeten confessionellen Spaltung, aus welcher den Gegnern der Muth zum dreissigjährigen Kriege erwuchs, hat er nicht mehr erlebt..

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