Aufsatz 
Festschrift zur Jubiläumsfeier des 50jährigen Bestehens des Großherzoglichen Taubstummen-Instituts zu Friedberg : 21. Mai 1887 ; und als Einladung zu derselben / hrsg. von Wodaege
Entstehung
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Die taubſtummen Mädchen erlernen faſt ohne Ausnahme das Kleidermachen und ſorgen durch dieſen Erwerb redlich für ſich ſelbſt, oft ſogar auch für arme, kranke, alte Eltern mit! Wen rührte nicht auf's tiefſte die kindliche Pietät dieſer Dul⸗ derinnen? Fürwahr! Wenn es Verdienſte auf Erden gibt, ſo müßten dieſe Verdienſte der Armſten unter den Armen vorzugs⸗ weiſe genannt und anerkannt werden.

Die Knaben wurden: Schneider, Schuhmacher, Kappen⸗ macher, Kürſchner, Schreiner, Buchbinder, Dreher, Meſſerſchmied, Weber, Gürtler, Lithographen und Schriftſetzer: und, da ſie größtentheils geſchickte und fleißige Arbeiter waren, haben ſie ihr Brot nach Kräften verdient.

§ 16. Die bei der Anſtalt beſtehenden Stiftungen.

In der Jahresſchrift des Großh. Taubſtummen⸗ Inſtituts zu Friedberg vom Jahre 1878 hat der Director Dr. Matthias die bei der Anſtalt beſtehenden Stiftungen aus⸗ führlich behandelt. Wir begnügen uns hier mit einem kurzen Reſumé:

Die Sorge für das fernere Wohl der entlaſſenen taubſtummen Zöglinge veranlaßten den Director Roller und den Director Dr. Matthias, ſchon gleich nach der Gründung der Anſtalt eine Unterſtützungskaſſe zu beſchaffen, aus der die AÄrmeren Lehrgeld, Kleider u. ſ. w. erhalten ſollten. Die Sammlung der Gelder fand zuerſt in bekannten Kreiſen ſtatt; allein das Bedürfnis war zu groß und da traten denn die beiden genannten Herren unterm 20. März 1843 mit einem Aufruf für obigen Zweck in die Offentlichkeit, der mit ſolchem Erfolge in nahen und fernen Gegenden begleitet war, daß dieſelben ſchon nach wenigen Jahren in der glücklichen Lage ſich befanden, öffentlich kund zu geben: Dank allen gütigen Gebern, wir haben über und über genug! Gewiß ein ſeltener Fall in der Geſchichte der Sammlungen und es ſoll auch nicht ohne Scherz bemerkt worden ſein:Da ſind doch'mal welche, die genug haben!