Aufsatz 
Nachrichten über die Augustiner-Schule zu Friedberg in Hessen / von Ph. Dieffenbach
Entstehung
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gebuͤhrende Cantorats⸗Beſoldung gegeben wurde, weil er nicht vorſingen konnte. Und obgleich man ihm endlich im Jahr 1795wegen ſeiner ſchwachen Bruſt das Vorſingen erlaſſen und die Beſoldung gegeben hatte nun⸗ ter der Bedingung, daß er den Burg⸗Gottesdienſt be⸗ ſuche, bei jeder Gelegenheit das ſchuldige decorum gegen die Burgherrſchaft beobachte und woͤchentlich 2 Stunden nprivatim an die Burgjugend ertheile**), ſo wurde ſie ihm dennoch ſpaͤter wieder genommen, weil er Geſchaͤfte halber verhindert war, dem Leichenbegaͤngniſſe des Burggrafen(Baſſenheim) beizuwohnen. Auf ſolche Art offenbarte ſich bis in die neueſten Zeiten die Eiferſucht zwiſchen Burg und Stadt; wehe dem, der von beiden zugleich abhing!

Die ganze Verbeſſerung der Schule in der letzten reichs⸗ ſtädtiſchen Zeit beſchraͤnkte ſich auf Verfertigung neuer Geſetze, welche am 18. Februar 1796. von Burggrafen, Burgermeiſtern und Rath unterzeichnet wurden. Nie⸗ mand wird leugnen, daß ſie viel Herrliches enthalten, daß den Verfaſſer edler Sinn fuͤr Jugendbildung belebte. Aber Geſetze ſind todte Buchſtaben; ſie al⸗ lein reichen ja nicht hin, eine Schule zu he⸗ ben. Auch waren ſie in ihren Folgen ſehr unbedeutend, ſo gut ſie an und fur ſich ſeyn moͤgen.

Bald nach der Beſitznahme Friedbergs durch Heſſen⸗ Darmſtadt dachte man von Seiten der neuen Behoͤrden

*) Sie beſtand in 30 fl. und 2 Malter Gerſte.

**½) Extract Andiienz Protocolli d. d. Burgfriedberg den i 15. April 1795.