Aufsatz 
Nachträge und Berichtigungen zu dem Verzeichnis der Abiturienten im Jahresbericht von 1911 / von Friedrich Engelhardt
Entstehung
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In Oberprima tritt Thucydides an erste Stelle, entweder Buch I und II oder VI und VII nach einem durch den Inhalt bedingten Plane. Sodann einer der größeren Dialoge Platos: Protagoras, Phaedo, Gorgias, Symposion, der Anfang des Staates, für mathematisch interessierte Lehrer Meno. Die Dichter bleiben dieselben, Homers Ilias aus der zweiten Hälfte und eine Tragödie des Sophocles, auch Euripides oder der Prometheus des Aeschylus. Daneben in einem Kränzchen als echte Privatlektüre: je ein Drama des Aeschylus und Euripides, auch Aristophanes (Wolken und Vögel.) Auch eignet sich zu diesem Zweck eine Auswahl aus dem mehrfach genannten Lesebuch, aber mehr aus der ersten Hälfte, sowie ein nicht in der Klasse gelesener Dialog Platos.

Soweit der Kanon, der sich von der wirklichen Praxis nicht weit entfernen dürfte und an Ausdehnung wohl kaum zu wünschen übrig läßt. Zum Scbluß noch eine wichtige Anmerkung. Gewiß ist die Aufstellung eines zweckmäßig angelegten Kanons wichtig und wünschenswert; aber viel wichtiger ist das Wie als das Was bei der Lektüre. Wie ein ge- schickter Koch jedes Gericht durch seine Kunst schmackhaft zuzurichten weiß und umgekehrt, so liegt es am didaktischen Geschick des Lehrers, ob eine Schrift den Schülern lieb wird oder nicht, wenn man von dem Bodensatz der Klasse absieht. Immer und immer wieder ist den Seminarkandidaten der Satz Herbarts in die Erinnerung zu rufen, daß es nur eine Tod- sünde des Lehrers gibt, die Langeweile. Von ihr sind die Stunden der Lektüre besonders frei zu halten.