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varietatem maximam habeant alüque in aliis locis sint: necesse est, ortus occasusque siderum non fieri eodem tempore apud omnes.
Orbis ist bekanntlich eine Scheibe, ein zirkelförmiges Ding. So in: orbis terrarum, oder wenn Ovid Fast. III, 466 sagt: Eoo dives ab orbe redit. Juven. II, 108: Assyrius orbis. Plin. h. n. XII. 12, 26: noster orbis u. a.
M. Vitruvius Pollio(unter Cäsar und Augustus).
Vitruv ist zwar durchaus keine Auktorität in astronomischen oder geographischen Dingen, und sein Ausdruck ist oft schwerfällig und unklar; wie er denn überhaupt für einen Mann von keiner sonderlichen wissenschaftlichen Bildung gilt. Doch mögen seine Aeusserungen immerhin dazu beitragen, die Kenntniss des Sprachgebrauches zu vervollständigen. Er sagt in seinem Werke de architectura lib. VI. cap. 1.§. 11: Non minus sonus vocis in generibus gentium dispares et varias habet qualitates, ideo, quod terminaltio orientis et occidentis circa terrae librationem, qua dividitur pars superior et inferior mundi, habere videtur libratam naturali modo circuitionem, quam etiam mathematici horizonta dicunt.— Ebenso hat der Ton der Stimme bei den verschiedenen Völkerstämmen auch eine verschiedene und mannigfaltige Be- schaffenheit, desshalb weil die Grenze des Morgenlandes und des Abendlandes rings um die Gleichgewichtslage der Erde, wodurch die obere und die untere Hälfte des Weltalls von ein- ander geschieden wird, einen von Natur wagerecht liegenden Umkreis zu haben scheint, welchen die Astronomen Horizont nennen.
Vitruv leitet in dieser Stelle die tiefe und laute Stimme der im Norden Europas wohnenden Völker auf eine sehr wunderliche Art von der grösseren Höhe des Himmelsgewölbes in den nördlichen Gegenden ab. Nach dem Aequator zu senke sich dasselbe mehr zur Erde herab. Unter einem so hohen Gewölbe aber klinge auch die Stimme des Menschen lauter und tiefer, gleichwie an der einen, längeren Seite der Sambuka, eines harfenähnlichen Instrumentes, die Saiten die tiefsten und stärksten Töne gäben. Vitruv redet übrigens ausdrücklich nur von der Grensze, terminatio, der wagerecht liegenden Erdscheibe, und sagt, dass diese eine Kreislinie sei, dass sie auch wohl von den Mathematikern, d. i. den Astronomen Horizont genannt werde, — nämlich in demselben Sinne, in welchem auch der Geometer bei dem Worte Kreis wohl blos an die denselben begrenzende Linie denken darf.
In einem ganz eigenthümlichen Sinne braucht endlich Vitruv im 9. Buche(ap. 8.§. 40. das Wort Horizont, indem es dort eine gerade Linie, einen Durchmesser bezeichnet, welcher den Kreis der Sonnenuhr halbirt.


