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Dr. Grebe dahier als erster Lehrer der Realschule zu Kassel unter Beauftragung desselben mit dem Rectorate der gedachten Anstalt bestätigt wurde. In Folge dieser Ernennung schied Dr. Grebe noch vor dem Beginn des Winterhalbjahrs aus dem hiesigen Gymnasium, um welches er sich durch seinen mathematischen Unterricht während einer nur zweijährigen Wirksamkeit grosse Verdienste erworben hat. Als sein letztes Wort für das Gymnasium ist die diesen Nachrichten vorgedruckte Abhandlung zu betrachten, welche er bereits vor seinem Abgang für das diessjährige Programm verfasst hatte.
Zum Ersatz für diesen Verlust wurde durch Allerhöchstes Rescript vom 2. November v. J. der Gymnasialpracticant Eluard Fürstenau aus Rinteln zum Hülfslehrer an dem Gymnasium dahier allergnädigst bestellt. Durch einen mehrwöchigen Urlaub des genannten Lehrers, dessen Thätigkeit an der Blochmannschen Lehranstalt zu Dresden nicht sogleich ersetzt werden konnte, sowie durch das diessmal besonders frühzeitige Eintreten der Weihnachtsferien wurde es ver- anlasst, dass die mathematischen Lectionen am hiesigen Gymnasium in den fünf oberen Klassen ein Vierteljahr lang ausfielen und grossentheils durch andere Lectionen ersetzt wurden. Denn erst am 3. Januar d. J. begann HL. Färstenau seine Thätigkeit am Gymnasium. Aber dies war nur der geringere Nachtheil, durch welchen das Gymnasium im verflossenen Winter gelitten hat. Am Ende des October brach nämlich dahier eine Nervenfieber-Epidemie aus, ergriff bald auch viele Schüler des Gymnasiums und nahm einen aus unserer Mitte hinweg. In Folge davon wurden vom 25. November an und weiter die meisten auswärtigen Schüler auf Bitten ihrer Eltern in die Heimath entlassen. Erst auf eine in den öffentlichen Blättern am 17. Januar von dem Unterzeichneten erlassene Ankündigung, dass die eigentliche Epidemie aufgehört habe, kehrten die meisten nach fast zweimonatlicher Unterbrechung zu der gewohnten Beschäftigung zurück. Von den Ausbleibenden waren manche noch kranle, andere hatten sich anderen Lehr- anstalten zugewendet, zwei— waren in der Heimath gestorben. Indess waren die Lectionen des Gymnasiums bis zum 12. December v. J. fortgesetzt worden, an welchem Tag mit Genehmigung Kurf. Ministeriums des Inneren die Weihnachtsferien ihren Anfang nahmen. Am 3. Januar d. J. wurden die Lectionen wieder begonnen, jedoch in der Weise, dass bis zum 28. Januar nur während des Vormittags Unterricht ertheilt wurde. Erst mit dem letztgenannten Tage, gerade drei Monate seit dem Tage, an welchem der erste Gymnasiast vom Nervenfieber ergriffen wurde, trat am Gymnasium die regelmässige Ordnung wieder ein und wurde Gott sei Dank! seitdem nicht mehr gestört. Bei diesem Rückblick auf so manchen schmerzlichen Verlust glaube ich auch das anführen zu müssen, dass Dr. Hupfeld, der erst am 31. Januar 1855 von unserer Anstalt geschieden war, am 16. Februar 1856 zu Friedewald, ebenfalls vom Nervenfieber ergriffen, das Ziel seiner Wirksamkeit erreicht hat.
Allgemeine Verfügungen in Betreff der Gymnasien sind von Seiten der vorgesetzten Behörde während des verflossenen Schuljahrs nicht ergangen.


