Einleitung.
Allgemeine Bemerkungen über Verhältniss und Entwick- lung der alten Sprachphilosophie und Grammatik.
DDie Wissenschafl schreitet vor, indem sie das sachlich Unterschiedene begrifflich unterscheidet. Nur eine Folge dieser geistigen That ist die naturgemässe Verbindung des zu Verbindenden. Bei der grossen Schwierigkeit freilich, welche die nahe Verwandtschaft einzelner Wissenszweige trotz ihrer inneren Verschiedenheit, der kritischen Thätigkeit in den Weg legt, ist es fürwahr nicht zu verwundern, wenn in der leichter als die Urerkennt- niss selbst zu täuschenden Wiedererkenntniss der historischen Wissenschaften nur langsam und durch vielerlei Irrthum die Wahrheit sich Bahn bricht, ohne doch jemals ganz zur Anerkennung zu gelangen. Solche Betrachtungen drängten sich mir unwillkürlich auf, als ich meine Studien in den Schriften Neuerer machte, welche entweder die Grammatik oder die Sprachphilosophie der Alten ganz oder in einzelnen Theilen ans Licht zu setzen unternommen hatten. Sprachphilosophie und Grammatik sind in der That so nahe an einander grenzende Gebiete, dass schwerlich einer in das der ersteren wird gelangen können, der nicht zuvor das der letzteren durchwandert hat. So ist es, ich möchte sagen, in der geographischen Lage beider begründet, nach welcher jeder Reisende seinen Weg einrichten muss. Was so von der Wissenschaft, wie sie jetzt steht, noch immer gelten muss, das scheint allerdings bei ihren ersten Anfängen, in denen Empirie und Philosophie noch in freundschaftlichem Einklang standen, in noch höherem Grade wirksam gewesen zu sein und eben damit die geschichtliche Forschung zu ungesonderter Betrachtung beider Gebiete zu berech- tigen. Und doch, was äusserlich mit einander so innig verbunden ist, wie sehr geht es
seinen inneren Gründen und Entwicklungsmomenten nach aus einander! Aber jedem der 1


