Vorrede.
Wie jedwedes philosophische System einen eigenthümlichen Charakter in sich trägt, so gestaltet sich demgemäss auch die von der Nachwelt zu leistende Wiedererkenntniss desselben im Ganzen und in seinen Theilen eigenthümlich und in Verwandtschaft mit der überlieferten Erkenntniss selbst. Die aristotelische Philosophie, welche von der Betrachtung des Einzelnen ausging und auf den Ergebnissen der mannigfachsten empirischen Forschungen ihr System erbaute, verlangt vor allen Dingen eine genaue Feststellung dieser einzelnen Resultate, ehe man das Ganze in abgerundeter Form zusammenfassen kann und die Schwie- rigkeiten, welche immer neue Forschungen veranlassen, liegen hier in der durch mangelhafte Ueberlieferung hervorgerufenen oder durch kombinatorisches Verfahren aus seinen zahlreichen Schriften zu Tage geförderten Meinungsverschiedenheiten, die dann jedesmal in der Dar- stellung des ganzen Systems eine ihrer Bedeutung gemässe Umgestaltung erzeugen. Anders ist es mit dem platonischen Systeme. Dieses war sosehr aus der Idee einer einheit- lichen Weltanschauung, aus der Richtung nach dem Ganzen und Höchsten hervorgewachsen,
dass es nicht möglich war, auch nur die geringste Einzelnheit mit sicheren Zügen darzustellen,


