für diesen Verlust ein Ersatz im Augenblick nicht geboten werden konnte, so liess sich die Verlegenheit nur auf die Weise beseitigen, dass Dr. Siebert den gesammten Lateinischen Unterricht sammt dem Ordinariat von Quarta übernahm, und dass mehrere andere Lehrer des Gymnasiums sich zur Uebernahme von mehr Lehrstunden, als sie zu übernehmen verpflichtet waren, bereit erklärten.
Kurz nach dem Wiederbeginn der Lectionen am Morgen des 30. Juli starb gan⸗ unerwartet Dr. August Friedrich Christian Vilmar, der Mann, welcher im Früh— jahr 1833 das alte akademische Pädagogium in ein selbständiges Gymnasium umgewandelt und sodann 17 Jahre lang an der Spitze des letzteren gestanden hatte, bis er im Frühjahr 1850 als Referent für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten in das Kurfürstliche-Ministerium des Inneren zu Kassel berufen wurde. In dieser Thätigkeit, zu der sich bald noch die eines Verwesers für den General-Superintendenten zu Kassel gesellte, verblieb er bis zum Herbst 1855. Nunmehr zum Proſfessor der Theologie an der hiesigen Universität, ernannt, übte er bald einen eben so bedeutenden Einfluss auf die Studierenden der Theologie, wie er ihn früher auf die Gymnasiasten geübt hatte. Ja es darf wol mit Zu- versicht ausgesprochen werden, dass Vilmar einer der bedeutendsten Männer war, die Hessen in diesem Jahrhundert hervorgebracht hat. Die feierliche Bestattung des Leich- nams, welcher sich von Seiten des Gymnasiums sämmtliche Lehrer und die Schüler der oberen Classen anschlossen, fand am Nachmittag des 1. August statt.
Sonntags den 23. August empfiengen die Lehrer und Schüler des Gymnasiums ge- meinsam das heilige Abendmahl.
Sonnabend den 12. September unternahmen die Schüler der oberen Classen unter Leitung des Dr. Buchenau eine Turnfahrt nach Schloss Nordeck und nach dem Staufenberg.
Am 15. und 16. September fanden die herkömmlichen Turnprüfungen Statt.
Da während des Sommers wegen der grossen Hitze an 5 Nachmittagen die Lectionen ausgesetzt worden waren, so wurden, um einen Ersatz dafür zu finden, die sonst üblichen nichtöffentlichen Herbstprüfungen diesmal ausgesetzat und die gewonnene Zeit den Lectionen zugefügt.
In der zum Schluss des Halbjahrs veranstalteten Versammlung der Lehrer und Schüler des Gymnasiums wurde eine Denkmünze zur Erinnerung an die Enthüllung des Lutherdenkmals zu Worms— Seine Majestät der König hat nämlich die Gnade gehabt,
jedem seiner evangelischen Gymnasien eine solche zukommen zu lassen— dem Primus der Prima, Philipp Both aus Witzenhausen, mit einer kurzen Ansprache vom Director übergeben.
Auch schied am Schluss des Sommerhalbjahrs Dr. Siebert vom hiesigen Gym- nasium. um eine Stelle an dem Gymnasium zu Elberfeld provisorisch zu übernehmen. Die Herbstferien dauerten vom 22. September bis zum 12. October.


