Aufsatz 
Geschichte des akademischen Pädagogiums in Marburg / von Christian Koch
Entstehung
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Pädagogiums und jetzigen Gymnasiums in einer kurzen Uebersicht zu erzählen, musste ich natürlich darauf bedacht sein, eine Fortsetzung der von Koch verfassten Abhandluug zu liefern und zu dem Ende die etwa noch zerstreut vorhandenen Nachrichten zusammen- zustellen. Namentlich durfte ich hoffen, dass Koch selbst, während er jene Abhandlung schrieb, manche Notiz, die sich auf die spätere Zeit bezog, gesammelt haben würde. Ich schrieb deshalb an Herrn Dr. Vogt, Director des Gymnasiums zu Wetzlar, an dessen Vater Koch alle seine auf das Hessische Schulwesen bezüglichen Papiere überlassen hat, und bat ihn, er möge mir aus seines Vaters Nachlass diejenigen von Koch gesam- melten Nachrichten, welche sich auf das hiesige Pädagogium bezögen, für einige Zeit zur Benutzung bei meiner Arbeit überlassen. Wie erstaunte ich aber, als mir Herr Dr. Vogt statt dessen, was ich erbeten und erwartet hatte, das Manuscript einer von Koch vollständig ausgearbeiteten Geschichte des hiesigen Pädagogiums von 1653 bis 1827 über- sandte. Wahrscheinlich hat Koch diese Abtheilung bald nach der 1828 erschienenen vollendet, jedoch in den nächstfolgenden Jahren keine passende Gelegenheit gefunden, sie ebenfalls zu veröffentlichen. Als ich das Manuscript zu Gesicht bekam, so war mein Vorsatz gleich gefasst, diesen zweiten bisher noch gar nicht bekannt gewordenen Theil ebenfalls abdrucken zu lassen und so dem Werk meines verehrten Lehrers den von ihm selbst beabsichtigten Abschluss zu geben. Ich schrieb deshalb sogleich an Herrn Dr. Vogt, gab ihm von meinem Vorhaben Nachricht und hoffe, dass er und alle übrigen Leser sich mit mir freuen werden, ein getreues Bild von dem Zustande des Pädagogiums seit 1653 von der Hand eines Mannes entworfen zu sehn, der dieser Anstalt 30 der bessten Jahre seines Lebens gewidmet hat.

An diese von Koch herrührende Darstellung wird sich dann eine von mir verfasste kurze Geschichte des seit 1833 bestehenden Gymnasiums anschliessen. Doch bitte ich von dieser letzteren nicht mehr zu erwarten als eine fast nur auf die äusseren Verhältnisse sich beziehende Erzählung. Da nämlich die seit 1833 verflossene Zeit unsere Gegenwart noch unmittelbar berührt, da die meisten der Männer, welche an dem Gymnasium seit 1833 gewirkt haben, noch zu den Lebenden gehören, so würde man gegen alle billigen Rück- sichten verstossen, wenn man die Wirksamkeit der einzelnen Lehrer, wenn man überhaupt das, was zum inneren Leben der Anstalt gehört, schon jetzt an die Oeffentlichkeit ziehen wollte. Schliesslich bemerke ich noch, dass ich mir an dem, was Koch hinterlassen hat, keinerlei Veränderung oder Verbesserung anzubringen erlaubt, habe; dagegen habe ich an einigen wenigen Stellen unter dem Text Anmerkungen hinzugefügt, welche als meine Anmerkungen von denen des Verfassers leicht zu unterscheiden sein werden.