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statt, nachdem zuvor der Abiturient Happich in einer lateinischen Rede:»de Horatio poëta« von der Lehranstalt Abschied genommen hatte.
Die Herbstferien dauerten bis zum 11. October; aber am Morgen dieses Tages ver- sammelten sich Lehrer und Schüler nicht zum gemeinsamen Beginn der Lectionen, sondern um der Leiche des Gymnasiums-Dieners Johannes Lehr, der den 7. October Abends 10 Uhr an Entkräftung gestorben war, das Geleite zu geben. Der Verstorbene war am 8. Januar 1792 zu Germershausen bei Oberweimar geboren, hatte in den Jahren 1814 und 1815 die Feldzüge gegen Frankreich mitgemacht und war 1825 zum Diener des Pädagogiums bestellt worden. Als im Frühjahr 1833 das mit der Universität verbundene Pädagogium in ein selbständiges Gymnasium umgewandelt wurde, wurde Lehr an die neue Anstalt mit herübergenommen und wartete seines Dienstes 31 Jahre lang mit der Treue eines alten Soldaten. Namentlich in den Jahren 1848 und 1849 hat er in der Vertheidigung des damaligen Gymnasial-Directors Vilmar seine Treue und seinen Muth vielfach bewiesen.
Nachmittags um zwei Uhr an jenem 11. October wurden die Lectionen mit einer gemeinsamen Andacht begonnen.
Durch Beschluss Kurf. Ministeriums des Inneren vom 17. October wurde Practicant Gerland, der mit dem Schlusse des Sommerhalbjahrs seinen Vorbereitungs-Dienst am hiesigen Gymnasium vollendet hatte, an demselben gegen angemessene Vergütung mit Ertheilung von Unterricht in Mathematik, Naturkunde und französischer Sprache für die Dauer des Winterhalbjahrs beauftragt. Mit dem Ende des Schuljahrs wird dieser Autf- trag erlöschen.
Die Feier des 18. Octobers wurde auf einem der Stadt benachbarten, dem sogen. Wehrshäuser Berge gehalten. Um 5 Uhr Nachmittags brach der Zug mit der Fahne des Gymnasiums und den Fahnen der einzelnen Klassen dorthin auf, wo ein Holzstoss errichtet war. Zuerst wurden einige vaterländische Lieder vierstimmig gesungen, dann wurde in einer kurzen Rede der Kämpfer für Deutschland in 1813 bis 1815 und in 1864 gedacht und mit einem Hoch auf Deutschlands Freiheit und Einigkeit geschlossen. Am hoch- lodernden Feuer wurden noch einige Lieder gemeinsam gesungen und dann unter dem Schein von bunten Laternen der Heimweg angetreten. Es war ein durchaus schönes Fest.
Sonnabend den 19. November langte ein Beschluss Kurf. Ministeriums des Inneren vom 18. desselben Monats an, durch welchen der Verwaltungs-Commission des Gymnasiums mitgetheilt wurde, dass der Bauplatz zu einem neuen Gymnasial-Gebäude nunmehr erworben sei, und dass die von der Verwaltungs-Commission vorgeschlagenen Techniker Dr. Lotz und Architekt Scheele mit der Entwerfung der Baurisse und der Kosten-Anschläge zu dem neuen Gebäude zu beauftragen seien. Somit ist also die Hoffnung, mit welcher die Gymnasial-Chronik des vorigen Jahres geschlossen wurde, in Erfüllung gegangen und einem schon lange gefühlten Mangel endlich Abhülfe zugesagt worden. Bereits am Ende


