I.
Da im Verlaufe dieser Abhandlung auch einige Bemerkungen zu Homer vorkommen werden, so darf ich mir wohl erlauben nach dem Vorgange von Ameis ¹) mit einem unhomerischen Vorworte zu beginnen und zu erklären, dass ich die von jenem angeführten fünf Punkte ²) für bedeutsam halte und somit das Bekenntniss ablege nicht zu wissen, was heut zu Tage noch die gelehrten Abhandlungen der Schulprogramme wollen; da- ferner es durchaus nicht in meiner Absicht liegt, eine gelehrte Abhandlung zu schreiben, so muss ich dies Bekenntniss noch dahin erweitern, dass ich überhaupt die Programme für eine Einrichtung halte, die sich überlebt hat, dass es hohe Zeit ist, bessere an ihre Stelle zu setzen; denn auf die Frage: was wollen die ungelehrten Abhandlungen und die jährlichen Schulnachrichten? müsste man eigentlich antworten: sie wollen gedruckt werden, gelesen zu werden beanspruchen sie nicht. Es wäre vollständig ausreichend, wenn die Schulnachrichten von den Gymnasien der kleineren Staaten oder einer Provinz jährlich zusammengefasst würden; und Abhandlungen, die einen Leserkreis finden, sei es unter den Gelehrten, oder unter den Schulmännern, oder überhaupt unter Gebildeten, werden auch immer in den mannigfachen Zeitschriften einen Platz finden und jedenfalls einen besseren als in den Programmen, deren Literatur mit jedem Jahre unübersehbarer wird, die sich in unsern Bibliotheken bald gar nicht mehr werden unterbringen lassen. Zwar sind, um diese Literatur übersichtlicher zu machen, mannigfaltige Prospecte, Conspecte und Revuen erschienen, zwar hat noch neuerdings die Buchhandlung von S. Calvary in
1) Programm von Mühlhausen 1861. Homerische Kleinigkeiten mit einem unhomerischen Vorwort.
2) 1. Solche Abhandlungen werden in den Kreisen, für die sie doch eigentlich bestimmt sind, entweder ungelesen bei Seite gelegt oder als Maculatur verwendet. 2. Wer von den Gymnasiallehrern schriftstellern will, findet für jeden Zweig seiner Wissenschaft ein besonderes Fachjournal. 3. Literarische Leistungen sind kein genügender Maasstab für praktische Berufstüchtigkeit. 4. Vielen Beigaben der Schulnachrichten sieht man an, dass sie Kinder der Noth sind. 5. Kein anderer unter den praktischen Beamten ausser den Gymnasiallehrern wird zur Veröffentlichung einer literarischen Arbeit genöthigt.
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