18
Gott setzen kann. So tritt auch hier wieder, wenn auch in versteckter Weise, derselbe Pelagianismus wie bei Kant hervor.
Auch kann von einem historischen Christus bei Hegel, wie orthodox auch seine Behauptung klingen mag,»dass die Erscheinung Gottes im Fleische, in einer bestimmten Zeit und in diesem Einzelnen geschehen seic« um so weniger die Rede sein, als das historische Moment zu einem»historisch vorgestellten« zu einem»fernen Bild« herabgedrückt und so die historische Erscheinung des Gottmenschen zu einem gleichgültigen Moment des Glaubens wird, welches der denkende Philosoph dahin zu interpretieren hat, dass diese Geschichte die der Menschheit ist, und dass die Gottmenschlichkeit der ganzen Welt, zukommt.»Denn das gehört nur dem Elemente der Vorstellung an, dass der absolute Geist, als ein einzelner oder vielmehr als ein besonderer an seinem Dasein die Natur des Geistes vorstellt ¹).«
Schliesslich aber muss es gewiss einen sonderbaren Eindruck machen, wenn man sieht, wie Hegel, der sich so scharf über die Wunder ausgedrückt hat, gleichwohl die Einzelmenschwerdung Gottes und die damit zusammenhängende Geschichte Christi aus der Idee heraus als nothwendig construiren will, dann aber diese-harte, ungeheure Wirklichkeit« in der Idee zurückverwandeln; das»Factum« als Factum wieder hinweg zu construieren, um nicht zu sagen hinweg zu escamotieren sucht. GDer Geist kann das Geschehene ungeschehen machen ²).«
Wenn auch kurz mag dagegen das Verdienst der Hegel'schen Christologie hervor- gehoben werden, dass sie nicht nur den gewöhnlichen Rationalismus vollständig überwunden und dessen Blössen aufgedeckt, sondern auch in überzeugender Weise mit Wahrung der specifischen Verschiedenheiten die Identität des göttlichen und menschlichen Geistes, so dass einer für den andern sein kann, nachgewiesen hat.
So können wir zwar die Erscheinung, dass sich scine Schule in 2 diametral gegen- überstehende Fractionen, die eine mit positiv orthodox-kirchlicher Richtung, die andere mit negativ-kritischer Tendenz gespalten hat, welche sich beide auf Hegels eigene Worte beriefen, und von denen jede den wahren Sinn des Meisters erfasst zu haben glaubte,— durch die absichtliche oder unabsichtliche Amphibolie der Ausdrucksweise Hegels erklären, müssen jedoch behaupten, dass für jeden logisch Denkenden nur in der kritisch-negativen Richtung die wahre Consequenz des Systems imprägniert ist, und dass anders lautende Worte der Sympathie oder Antipathie(besonders in der Beurtheilung von Göschels Aphorismen, wo er sich gern als den Vertreter der Orthodoxic hinstellen möchte) nichts anders sind als schwächliche Halbseiten und Transactionen des hier menschlich irrenden Meisters, die aber gleichwohl den Grundcharacter seines Systems nicht ändern können, wenn es sich nicht wissenschaftlich vernichten will.—.
¹) Hegel, Bd. II., 589.— ²) XII, 251.


