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3. Zuerst werde jeder neue Autor in den mittleren Klassen ein Vierteljahr, in den oberen einige Wochen lang in der Schule in der Weise übersetzt, dass keine Präparation vorausgesetzt wird, und in den mittleren Klassen geschehe die Präparation eine Zeit lang im Unterricht, da- mit der Schüler lerne, wie er später zu Hause seine Arbeit anzugreifen hat.
4. Die ersten Aufgaben häuslicher Präparation seien geringe, im Ovid und omer nicht über 10 Verse.
5. Der Lehrer halte streng darauf, dass der Schüler ihm auf Verlangen immer Rechen- schaft ¹) geben kann, woher er eine verdächtiges Wort oder ein von ihm selbst nicht herrührende Redewendung, mag sie in seiner schriftlichen Präparation oder in der mündlichen Uebersetzung vorkommen, entnommen hat.
6. Als wirksamstes Mittel) sehe ich die Einführung von Extemporirstun- den und eine solche Praxis des Lehrers an, aus welcher der Schüler erkennt. dass jener sein Urtheil über seine Leistungsfähigkeit vorzugsweise auf das in den Extemporirstunden theils mündlich theils(und insbesondere)schrift- liceh Geleistete gründet. Hierdurch bekommt der Schüler die Ueberzeugung, dass ihm sein unredliches Treiben nicht nur nichts hilft, sondern ihn sogar schwach und ungelenk macht für diejenigen Leistungen, die für sein Fortkommen massgebend sind. Er wird dann die be- quemen Brücken abreissen und über den Bach, der die beiden Sprachen trennt, zu springen sich üben; er wird die morschen Krücken wegwerfen und sich auf eigene Füsse stellen, um so mehr, je mehr er sie durch Extemporiren und Construiren erstarken fühlt.
§ 17. 3
Wenn von schädlichen und nützlichen Hilfsmitteln bei der Präparation gehandelt wird, so ist endlich nicht zu vergessen, dass auch manche Specialwörterbücher nicht unbedingt zu den nützlichen zählen. Unsere Altvorderen kannten keine Specialwörterbücher und in ihrer Jugend müssen sie rauhe Arbeit gehabt haben, wenn sie mit Scheller und Bröder(immerhin zwei wirk- liche Freunde der Jugend) das harte Holz lateinischer Sätze zu spalten hatten. Indes ist ein zweckmässig angelegtes Specialwörterbuch oder noch besser ein Vocabularium, welches für be- stimmte Abschnitte die unbekannten Wörter giebt, für untere und mittlere Klassen ein entschie- dener Fortschritt der Didaktik. Die kleine Hand des Quintaners und Quartaners weiss ein grosses Lexicon kaum zu halten, geschweige zu gebrauchen, und auch dem Tertianer flimmert es noch vor den Augen, wenn er sich in dem Wust von Bedeutungen, wie sie in einem Uni- versallexicon der lateinischen Sprache aufgehäuft sind, zurecht finden soll. Daher sind auch jetzt wohl auf allen Gymnasien in unteren Klassen Vocabularien, in mittleren eben solche oder Specialwörterbücher in Gebrauch. Ich halte auch für mittlere Klassen ein Vocabularium neben
¹) Hierbei wird es oft vorkommen, dass der Schiiler das dem Lehrer verdächtige Wort im Wörterbuch nachweist und sich rechtfertigt. Dadurch leidet das Ansehen des Lehrers durchaus nicht. Der Schüler aber wird gewissenhaft und gebraucht nur solche Hilfsmittel, die er dem Lehrer— den er hierauf aufmerksam weiss— zeigen darf.
²) Es könnte auch noch von einem anderen Mittel die Rede sein, welches die Blüthe des buchhändleri- schen Vertriebes solcher Presserzeugnisse etwas zu knicken vermöchte. Ich halte dies jedoch mehr für die Sache der Schulbehörden und Lehrervereine und diesen Ort zu einer Besprechung eines solchen Mittels nicht für geeignet.


