Aufsatz 
Pädagogisch-didaktische Aphorismen über Syntaxis ornata, Extemporiren, Construiren, Praepariren / Jul. Rothfuchs
Entstehung
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einem den gesammten Wortschatz der unteren und mittleren Klassen bis zur Secunda zusam- menfassenden, zweckmässig angelegten Wörterbuch für das beste. Zur Präparation soll letzteres nicht dienen, sondern zu einem unten näher zu bezeichnenden Zwecke. Als Hilfsmittel bei der Präparation wünsche ich nur das Vocabular und schliesse ein Specialwörterbuch gänzlich aus.

Der Gebrauch von Vocabularien als Präparationsmittel bei der Lectüre setzt jedoch voraus, dass ein fester Plan und Zusammenhang durch die Klassen hindurch herrsche, etwa in folgen- der Weise: Die Uebungsbücher für Quinta und Sexta müssen, was die copia verborum an- langt, mit Rücksicht auf Cornel und Cuesar angelegt sein und in ihren Vocabularien die meisten der bei diesen Autoren vorkommenden Wörter enthalten, dagegen sich des Ballastes derjenigen entledigen, welche für Genusregeln, defective und unregelmässige oder gar griechische(in Qumta, wo noch kein Griechisch gelernt wird!) Casusformen berechnet sind. Es müssen dem-

nach in den beiden untersten Klassen, wie es ja auch in den neueren Uebungsbüchern geschieht, nicht nur die vermis, torris, cucumis, postis, follis, mugilis und die cicer, piper, siser, tuber, zingiber, papaver, suber ¹) wegbleiben, sondern auch und dies ist noch nicht der Fall alle Substantiva auf e, as und es nach der ersten Declination, die griechischen auf os nach der zweiten, die Wörter mit dem Accusativ im nach der dritten, sowie die griechischen mit dem

*) Schrader, Erziehungs- und Unterrichtslehre, S. 351:Es ist ein lange noch nicht genügend aus- gerotteter Unfug, die Genusregeln mit Wörtern zu füllen, welche die Schüler nie lesen oder welche gar(wie z. B. mugil oder mugilis) zweifelhaften Vorkommens und schwankender Endung sind. Die Rücksicht auf eine vermeintliche und schliesslich doch unsichere Vollständigkeit gilt hier gar nichts, nur das Unterrichts- bedürfnis entscheidet und wenn wirklich in den oberen Klassen eine bisher nicht erlernte Ausnahme in den Schriftstellern sich findet, so genügt dann für Lehrer uud Schüler eine einfache Bemerkung. Am besten, sollte man meinen, blieben auch in den Schulgrammatiken solche Wörter einfach weg. Dann kann kein Lehrer versucht werden, sie lernen zu lassen. Das Lexicon mag sie verzeichnen. Wenn aber irgendwo im deutschen Reiche heute noch Sextaner oder Quintaner gar mit den deutschen Bedeutungen von colus, vannus, titio, papilio(zwar ist dieser den Sextanern immer ein interessantes Thierchen, weshalb man es nicht gern verscheucht; ich lasse es aber doch lieber fliegen, denn unter den Schulautoren findet es sich nur bei Ovid, und zwar nur einmal(Met. 15, v. 374), wo überdies das Geschlecht nicht einmal erkenntlich ist) unio, curculio, vespertilio, stellio, cassis, callis, caulis, follis, vectis, vomis, merges, ador, forfeæ, paria, bombycæ, calwæ, coccyæ, onwæ, adeps, mugil, furfur u. a. gequält werden, so nonne ich das unbarmherzige Grausamkeit, oder ich gebe mit Horaz dem Lehrer den Rath: Naviget Autichram! Danda est hellebori multo pars maxima tali. Die lateinischen Versregeln über jene Wörter lernen die Knaben zwar leicht, aber ich frage: Cuti bono? Man kann in der Ruasur solcher Wörter kaum radical genug sein, denn was soll man für eine Calamität darin finden, wenn in einer mittleren oder oberen Klasse wirklich einmal(mehr als einmal würde es doch nicht geschehen, da dann das Wort vom Schüler gemerkt wird) einige Schnitzer gegen das Genus obiger Wörter, ich sage sogar selbst solcher wie postis, jascis, aæxis, sentis, torquis, pugio, cos, verber, dens und ähnlicher vorkämen? Wie selten begegnen diese Wörter nicht nur in unseren Schulautoren, sondern auch in den Uebungsstücken aus dem Deutschen ins Lateinische, und wie selten ist es selbst da, wo sie vorkommen, von Belang das Genus zu wissen. Um übrigens manchem Ordinarius der Sexta nicht zu radical zu erschei- nen, will ich von den 36 Masculinis nur zwanzig einem wohlverdienten Tode überliefern und immerhin noch sechzehn am Leben lassen; ich schlage vor:

Sechzehn Wörter merk auf is masculini generis:

panis, piseis, erinis, finis, ignis, lapis, pulois, cinis, orbis, amnis, fanis, ensis, sanguais, ungais, collis, mensis.