Aufsatz 
Pädagogisch-didaktische Aphorismen über Syntaxis ornata, Extemporiren, Construiren, Praepariren / Jul. Rothfuchs
Entstehung
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werden könnte, durchaus nicht das Wort reden, denn eine sorgsame ¹) zweite Bearbeitung muss immer nachfolgen. Sollte aber wirklich bei dem ersten Entwurf etwas Flüchtigkeit entstehen, welche auch die Ausarbeitung nicht hinwegnähme, so bekenne ich offen: Flüchtigkeit und Ge- dankenlosigkeit sind zwei Feinde der häuslichen Arbeiten; jene, das Kind der Eile, ist mir viel lieber, als diese, das Kind der geistigen Trägheit. Die letztere muss am entschie- densten und zwar nicht nur mit Waffen der Strenge(die helfen bei Naturen, die zur αeƷα⁶εα neigen, nichts) sondern auch mit Waffen der Klugheit bekämpft werden, jene Geistesträgheit, welche den Schüler glauben lässt, Grammatik und Wörterbuch müssten das Exercitium denken, er brauche blos zu schreiben, jene Gedankenlosigkeit, die den Finger immer parat hat, jede Form in der Grammatik, jedes Wort in dem Wörterbuch aufzuschlagen, jene Trägheit und Ge- dankenlosigkeit, vermöge deren der Schüler anfängt, den Vordersatz zu übersetzen und hat den Nachsat⸗7 noch gar nicht gelesen. Giebt es nun in der ersten halben Stunde für den Schüler keine Grammatik und kein Wörterbuch, so muss er denken, muss die griechische Form erst bilden, muss das eben in seinem Gedächtnis gerade versinkende Wort noch heraufholen und zlücklich retten. Und welches Interesse hat der Schüler dann an seiner Arbeit, wenn sie aus seinen Gedanken aufgebaut ist, und er sich sagt: Nun bin ich fertig! Nun will ich nachsehen, ob ich gut geschrieben habe! Dann nimmt er mit ganz anderer Aufmerksamkeit seine Grammatik und sein Wörterbuch zur Hand und wird hiermit Sein eigener Corrector. Wo er im Zweifel war und nun sieht, dass er das Richtige gewählt hat, da ist ihm die Bestä- tigung durch diese Hilfsmittel ein Triumph; wo ihm dieselben seinen Irrthum nachweisen, da schüttelt er den Kopf(ein lebendiger Schüler schlägt sich auch vor den Kopf; welcher Lehrer wollte dieses nicht schon gesehen haben?) und nimmt sich vor, den Fehler nimmer wieder zu machen. So ist die erste Arbeit mit Anstrengung und Nachdenken, die zweite mit Freude und innerem Interesse gethan Anstrengung und Freude gehören aber zu den vichtigsten Hebeln der Pädagogik. ²) § 15.

Auch auf das Präpariren möchte ich diese Methode übertragen wissen, so weit es möglich ist. Es wird recht wohl möglich sein, um so mehr dann, wenn regelmässige Extemporir- und Construirübungen eingeführt sind. Mit Extemporiren und Construiren beginne jede häusliche Präparation des Schüulers! Ich meine dies so: Der Schü- ler lege sich gleich von vorn herein bei seiner Präparation auf das Extemporiren des aufgege- benen Capitels, und wo er stockt, suche er sich durch Construiren zu helfen, beides in der

¹) Die Sorgfalt kann auch übertrieben werden und wird von guten Schülern oft übertrieben. Es giebt solche, welche, zumal im Griechischen, die meisten der ihnen bekannten Wörter der Sicherheit wegen doch noch aufschlagen und damit viel Zeit todtschlagen.

*)Anstrengung und Freude, wichtige Hebel der Pädagogik diese Worte erinnern mich an das, was treffend zwei Pädagogen unserer Zeit darüber sagen. Döderlein, Reden und Aufsätze, Erste Samm- lung, S. 240 nennt esmit Freudigkeit arbeiten d. h. arbeiten, und zwar mit Freudigkeit. Dass der Schüler eine Freude daran habe, sich geistig anzustrengen, und eben an der Spontaneität der Anstrengung Geschmack finde das stärkt Geistes- und Willenskraft gleichmässig, indem es beide in Anspruch nimmt. Und Schimmelpfeng, Gruppierende Unterrichtsmethode. Marburg. Progr. 1865, Seite 8:Der Lehrer hat sich immer neben der Frage, wie ist es zu machen, dass die Schüler dieses oder jenes am besten begreifen und auffassen? auch die vorzulegen: wie ist es zu machen, dass sie mit rechter Lust an das zu Erlernende gehen? Gelingt ihm dies, dann ist das andere auch schon halb gewonnen.