Aufsatz 
Pädagogisch-didaktische Aphorismen über Syntaxis ornata, Extemporiren, Construiren, Praepariren / Jul. Rothfuchs
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Pädagogisch-didaktische Aphorismen

über

Futaxis ornata, Extemporiren,(onstruiren. Praepariren.

Nil dictu foedum visuque haec limina tangat, Intra quae puer est. Juvenal.

Einleitung.

Das Latein, welches man dem Schüler in den unteren Gymnasialklassen bietet, muss das reinste, ächteste Latein sein. Oder darf man am Anfang des Gesangunterrichts für d singen? uo semel est imbuta recens, servabit odorem Testa diu.

Diese Worte traf zufällig mein Blick, als ich jüngst ein allbekanntes, treffliches Buch 1) aufschlug. Ich konnte nicht so schnell über die Stelle hinaus; Auge und Gedanken blieben lange darauf ruhen. Was wollen die Worte sagen, und von wem sind sie geredet?

Ein Altmeister deutscher Gymnasialpädagogik ist es, der da spricht; er mahnt, dass man den kleinen Sextanern ja reine Töne vorsinge. Er vergleicht die Sprache mit dem Gesange, wo jeder Misston empfindlich verletzt. mag er im einfachen Liede, mag er in der ausgebildeten Kunstschöpfung eines grossen Meisters begegnen. Und wer jene kleinen Lieder nicht richtig singt, wie kann der an grössere Leistungen herantreten? Was aber das hinzugefügte Dichter- wort ²) sagen will, wer könnte verkennen, wer sollte nicht verstehen. wie treffend es den Geist

der Jugend zeichnet: Lange behält das Gefäss den Duft, den neu es empfangen.

Ja. wie neue, leere Thongefässe kommen uns die kleinen Sextanerköpfe vor, wie Gefässe, die wir mit gutem Inhalt anfüllen sollen. Was wir da hineinlegen, das bleibt. Gutes wie Böses, Richtiges wie Falsches. Oder vielmehr nicht gan⸗ so, das Böse haftet länger als das Gute, das Falsche hartnäckiger als das Richtige, und jeder schlechte Geruch soll, wie man meint,

*) Nägelsbach's Gymnasialpädagogik, herausgegeben von Autenrieth. Zweite Aufl. S. 98 99. ²) Horat. epist. I, 2, 70.