Aufsatz 
De Pindari carmine Olympico VI. et Pythico II. / vom Hülfslehrer Wiskemann
Entstehung
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II. Chronik des Gymnasiums.

Das neue Schuljahr wurde am 27. April eröffnet, nachdem die Aufnahmsprüfung an den beiden vorhergehenden Tagen Statt gefunden hatte.

Am 20. Mai wurde die Schwimm-Anstalt eröffnet, während das Turnen am 9. Juni begann.

Pfingstferien fanden nicht Statt wegen der beabsichtigten Verlängerung der Sommerferien von 3 auf 4 Wochen.

Am 18. Juni wurde eine frohe Turnfahrt der oberen Classen nach Gladenbach unter der Leitung des Turnlehrers Dr. Buchenau unternommen, woran sich auch noch andere Collegen betheiligten. Dafür erhielten am Tage zuvor die untern Klassen von III abwärts frei.

Am 25. Juni wurden die neu redigierten Gesetze ausgegeben. Möchten unsere Schüler dieselben recht beherzigen!

Sonnabend den 2. Juli begannen die Sommerferien. Während derselben wurde eine Auf- sichtsstunde für die hiesigen Schüler der unteren Classen eingerichtet, welche von 2 Collegen ubernommen wurde. Dieselbe fand auch ziemliche Betheiligung. Die Ferien sollten nun bis zum 1. August dauern, allein sie wurden bald auf eine Weise unterbrochen, woran niemand gedacht hatte. Durch den Ausbruch des ewig denkwürdigen Krieges mit Frankreich sah sich der Herr Minister des Unterrichts, der geistlichen- und Medicinal-Angelegenheiten mit Recht veranlasst, die sofortige Vornahme der Maturitätsprüfung mit denjenigen Primanern anzuordnen, welche im 4. Semester stehend bereit wären, ins Heer zu treten. Dieses Examen in procinctu, welches bloss mündlich war, wurde am 28. Juli mit 6 Primanern vorgenommen, welche auch am 2. August, dem Tage, wo die Lectionen wieder begannen, als bestanden entlassen wurden. Bald darauf wurden auch diejenigen Primaner, welche erst im 3. Semester standen, unter gleicher Bedingung zu der Prüfung zugelassen, aber nicht ohne sich auch einer schriftlichen Prüfung zu unterziehen. Hierzu meldeten sich wieder 6 Primaner,(ausser ihnen noch einer von denen, welche das vorhergchende mündliche bestanden) deren schriftliche Prͤfung am 4. August begann, während die mündliche am 15. Stact fand. Dieselben wurden ebenfalls reif befunden und am 20. August entlassen. Unterdessen hatte sich unter den Schülern ein Verein von Krankentrâgern und eine Boten-Compagnie gebildet, was nebst den frohen Siegesnachrichten dieselben allerdings mannigfach zerstreute, zumal als die französischen Gefangenen allmälich anlangten, zu deren Besichtigung am 5. August Nachmittags frei gegeben wurde. Aber wer möchtée diese Zerstreuung beklagen, und nicht vielmehr unsere Jugend glücklich preisen, dass ihr ein Gegenstand geboten, der wohl geeignet ist, um begeisterte Vaterlandsliebe gleichsam zur Weihe fürs ganze Leben zu wecken.

In der ersten Woche der Sommerferien, am 8. Juli starb der Lohgerbermeister und Dichter Weintraut, welcher lange Jahre den Gymnasiasten ein freundlicher Schwimmlehrer und Warner gewesen war.

Durch Rescript vom 25. Juni erhielt Hülfslehrer Pauli eine Gehaltserhöhung.

Durch Patent vom 30. Juli wurde Unterzeichneter zum Professor ernannt.

Am 28. August fand die gemeinsame Feier des heil. Abendmals Statt.